2 August 2007

And now to something completely different.

Über Soziowatch bin ich auf einen Blog-Karneval gestossen (worden), der mich thematisch direkt betrifft: 'Was bedeutet Globalisierung für Dich?'. Wer meinen Blog ein bisschen verfolgt hat, weiß, dass ich eine deutsche Biologin im irischen Exil bin.

Nun sind ja Wissenschaftler schon länger freiwillig oder auch gezwungenermaßen in der Weltgeschichte rumgereist. Ich würde aber mal behaupten, dass es noch nie so einfach war wie heute, wenigstens innerhalb Europas. Ich habe meine Siebensachen in mein Auto gepackt, bin über Köln (Bruder/Schwägerin/damals nicht drei Wochen alte Nichte besucht) und Belgien nach Cherbourg (Frankreich) gedüst, dort auf eine Fähre gefahren, mutig in den Linksverkehr eingetaucht und nach Galway gefahren (wie das war, ist eine ganz eigene Geschichte). Dort habe ich eine Sozialversicherungsnummer beantragt und das war's im Großen und Ganzen. Vielleicht sollte ich mal mein Auto ummelden, das muss man eigentlich nach spätestens drei Monaten tun (und ich bin schon fast zwei Jahre hier), aber dafür habe ich meine Scheinwerfer so abgeklebt, dass ich/mein Auto den Gegenverkehr nicht blende(t).

Um auf das eigentliche Thema zurück zu kommen, was bedeutet Globalisierung für mich?

Für mich bedeutet es vor allem "Chance". Meine eigene Erfahrung zeigt mir, wie unglaublich einfach es heutzutage ist, einfach mal für ein paar Jahre ins Ausland zu gehen. Und die Erfahrung möchte ich keinesfalls missen. Mich hat schon nach den ersten paar Monaten die Erkenntnis ereilt, dass vieles von dem, über das ich mich in Deutschland beschwert habe, tatsächlich das kleinere von zwei Übeln ist. Um mal ein Beispiel zu geben: Es hat mich drei Monate und einiges anderes mehr (wie Nerven, Geld, das reine Gewissen etc.) gekostet, hier einen Festnetzanschluss zu bekommen, da mein Vormieter, ohne seine Telefonrechnung zu bezahlen, ins Nirwana verschwunden ist. In Irland gibt es weder Meldepflicht noch sowas wie einen Personalausweis, d. h. selbst wenn man innerhalb einer Stadt umzieht, ist man mehr oder weniger untergetaucht. Da die Telefongesellschaft nicht gerne was verschenkt, sperrt sie bei einer offenstehenden Rechnung den Telefonanschluss, bis jemand bezahlt - am liebsten derjenige, der (wieder) einen Anschluss haben will. In dem Fall war das Ich, nur habe ich nicht eingesehen, dass ich knapp 400 Euro für Gespräche zahlen sollte, die ich gar nicht geführt habe. Ich erspare Euch das Hin und Her (mal ganz abgesehen davon, dass ich ausgesprochen illegal handeln musste, um den Anschluss letztendlich zu bekommen - aber pssst!), aber von einem hat mich die Geschichte überzeugt: Meldepflicht? Möglicherweise lästig, aber im Vergleich mit Nicht-Meldepflicht ein definitiver Zugewinn. Deutsche Telekom? Hurra! Habe ich schon erwähnt, dass Irland europaweit die höchsten Preiste hat, was das Telefonieren angeht (gefühlt in allen anderen Bereichen auch)?

Wie auch immer, in einem anderen Land zu leben, rückt die Dinge in eine neue Perspektive. Man vermisst ein paar deutsche "Spezialitäten", von denen man vorher gar nicht wusste, dass sie welche waren, entdeckt möglicherweise eine Leichtigkeit des Seins, die in Deutschland wiederum recht unbekannt ist, und ganz bestimmt entdeckt man Fähigkeiten in sich, von denen man vorher nicht vermutet hätte, dass sie da sind.

Ich treffe täglich Leute von "abroad", die nicht (wie ich) in den verhältnismäßig sicheren Hafen eines Drei-Jahres-Vertrags eingelaufen sind, sondern im Extremfall von diesem Monat zum nächsten leben - und die es sogar so wollen.

Globalisierung wird öfter mit einem "aber für die Menschen ist es schlecht" belegt. Mag sein. Aber es eröffnet auch Chancen für diejenigen, die sich darauf einlassen.

MfG,
JLT

3 Kommentare:

Sebastian said...

Danke für den sehr persönlichen Beitrag.
Deine Seite ist sehr interessant, wobei das Kreationisten-Bashing in Deutschland zum Glück ja noch?? nicht so notwendig ist, wie in den USA.

markus said...

Wenn man auf ihre Argumente eingehen würde (sowohl von theologischer als auch naturwissenschaftlicher Seite), anstatt sie schlecht zu machen (für diejenigen, denen der Begriff Bashing nicht bekannt ist) hätten alle mehr davon und man würde zeigen, dass wir in Gesellschaften leben, in denen Meinungen und Forschung frei und nicht diktiert sind.

JLT said...

"Wenn man auf ihre Argumente eingehen würde (sowohl von theologischer als auch naturwissenschaftlicher Seite), anstatt sie schlecht zu machen (für diejenigen, denen der Begriff Bashing nicht bekannt ist) hätten alle mehr davon und man würde zeigen, dass wir in Gesellschaften "leben, in denen Meinungen und Forschung frei und nicht diktiert sind."

@ Markus:

Wer diktiert denn Deiner Meinung nach den Forschern weltweit, was sie erforschen sollen? Nur mal so interessehalber.

Das Problem mit vielen der "Argumente" ist, dass es gar keine sind. Wie soll man auf ein Argument, welches auf falschen Voraussetzungen fußt, eingehen, wenn nicht dadurch, dass man die Falschheit dieser Voraussetzungen aufdeckt? Aber dies führt in den seltensten Fällen dazu, dass diejenigen, die diese Argumente vorbringen, ihren Irrtum ein- und davon absehen, das gleiche Argument wieder zu bringen. Im Gegenteil, viele dieser sogenannten Argumente werden wieder und wieder gebracht, obwohl sie für jeden nachprüfbar falsch sind. Darum wurde der Index to Creationist Claims erstellt: Weil man keinen Bock mehr hatte, das Selbe zum hundertundeinsten Mal zu beantworten.

Und aus der andauernden Wiederholung widerlegter Argumente kann man nur folgern, dass diejenigen, die diese Argumente machen, entweder eine profunde Leseschwäche aufweisen oder sonstwie intellektuell nicht in der Lage sind, dies zu begreifen, oder sie diese Argumente wiederholen, wohlwissend, dass sie nicht fundiert sind, weil sie damit Menschen Sand in die Augen zu streuen hoffen, die sich nicht weiter mit der Fragestellung beschäftigt haben oder beschäftigen wollen. Welche andere Möglichkeit sollte es geben? Dies auszusprechen ist möglicherweise "Bashing", aber das heißt nicht, dass es nicht verdient wäre.

Auch mein Blog beschäftigt sich mit "Argumenten" von Kreationisten, so wie viele andere, meist englischsprachige, Blogs auch. Aber führt das zu einer Diskussion? Ich habe mir beispielsweise sehr viel Mühe gegeben, auf das (ich nenne es mal so) Junk-DNA-"Argument" zu antworten. Darauf wurde nicht im mindesten eingegangen, im Gegenteil.

Aber im Grunde ist das, was zählt, die wissenschaftliche Argumentation, die in und durch wissenschaftliche Publikationen und/oder auf wissenschaftlichen Konferenzen stattfindet. Eine Teilnahme daran steht allen, die glauben, ein fundiertes Argument zu haben, frei. Bisher haben Kreationisten et al. von dieser Möglichkeit aber keinen Gebrauch gemacht. Man kann sich schon fragen, warum, wenn es ihnen angeblich um wissenschaftliche Fragestellungen geht. In öffentlichen Diskussionen werden diese jedenfalls nicht entschieden.

Und theologische Argumente haben in der Beantwortung wissenschaftlicher Fragestellungen keinen Platz.