25 July 2007

Was ist..... ein Strohmann.

Aus gegebenem Anlass eine kleine Begriffserklärung.

Ein Strohmann ist eine falsch oder verzerrt wiedergegebene Darstellung eines Arguments, die dann anstelle des eigentlichen Arguments angegriffen wird.

Ein Beispiel:

Es kann also keine Rede sein, dass Müll DNA einfach nur ein flapsiger Ausdruck für eine bis dahin unbekannte Funktionserwartung war, sondern im darwinistischen Kontext ging man von einem evolutionärem Müll aus, der sich in den Genen über die Jahrmillionen einer Entwicklungsgeschichte durch Zufall und Notwendigkeit vom Einzeller zum Menschen ansammelte. Diese Erwartungshaltung wurde klar formuliert und vertreten, so wie man heute noch gerne von funktionslosen Organen spricht, wie das beim Wurmfortsatz, dem Blinddarm, gerne praktiziert wurde und in anderen Fällen, wie angebliche Fehlkonstruktionen der Augen oder des aufrechten Ganges, geschieht. [....]

Es gibt nun handfeste Belege, die zeigen, dass die ID Erwartungen [hinsichtlich Funktionen in Junk-DNA] sich weitestgehend erfüllen, während die Erwartungen der darwinistischen Evolutionstheorie widerlegt wurden.
Dies ist ein Strohmann, da

Junk-DNA nicht [heißt], was IDler offenbar denken, was es heißt, Adaptionisten/Vertreter einer "darwinistischen" Evolutionstheorie eher einen geringen Anteil funktionsloser DNA am Genom erwartet [hätten] und die pure adaptionistische Sichtweise [heute] eh passé [ist].
Mal ganz abgesehen davon, dass ID gar nicht notwendigerweise Funktionen in Junk-DNA "erwartet" (auch hier), um es mal vorsichtig zu formulieren.

Ein weiteres Beispiel für einen Strohmann wäre auch, wenn jemand den obigen Absatz nehmen und so umformulieren würde:

Die "darwinistische" Evolutionstheorie wird durch Funktionen in "Junk"-DNA widerlegt.
um dann hinterher darüber herzuziehen, dass der Autor keine Ahnung hat, weil eine Theorie nicht gleich widerlegt sei, wenn sich eine Erwartung nicht erfüllt.

Wenn jemand natürlich in der Folge aufzeigt, dass

Junk-DNA [nicht heißt], was IDler offenbar denken, was es heißt, Adaptionisten/Vertreter einer "darwinistischen" Evolutionstheorie eher einen geringen Anteil funktionsloser DNA am Genom erwartet [hätten] und die pure adaptionistische Sichtweise [heute] eh passé [ist].
und sogar im direkt folgenden Abschnitt die tatsächlichen Erwartungen der "darwinistischen" Evolutionstheorie darstellt:

Bezogen auf funktionslose DNA bedeutet dies, dass sie einen "Kostenfaktor" darstellt (bei jeder Zellteilung muss sie verdoppelt werden) und ihr Anteil durch deletierende Mutationen "klein gehalten" wird. Pure Adaptionisten gingen davon aus, dass mehr oder weniger das gesamte Genom eine Funktion für die Zelle/den Organismus hat und damit die Genomgröße einen Hinweis auf die Anzahl der enthaltenen Gene wäre.
in direkter Antwort auf die Behauptung, die "darwinistische" Evolutionstheorie würde Junk-DNA erwarten, dann kann man zwar einräumen:

Ich gebe Dir Recht, dass ich Klaus Langes Kommentar überspitzt wieder gegeben habe.
aber auf die Gültigkeit der Widerlegung hat das keinen Einfluss, denn:

Damit ist wohl klar, dass eine Behauptung wie "Die (Erwartungen der) "darwinistische" Evolutionstheorie wird durch Funktionen in "Junk"-DNA widerlegt" auf allen Ebenen falsch ist, ob nun mit oder ohne "Erwartungen".


MfG,
JLT

P.S.: Schönen Dank an Kramer und PMP, denen dieser Unterschied bewusst ist und dementsprechende Kommentare auf dem E&S-Blog hinterlassen haben.

P.P.S: Achja, da ich nun zwei "Erwartungen der" in mein 'Darwin, Dawkins, Junk-DNA'-Post eingearbeitet habe, wird vielleicht deutlich, in wie weit das den Sinn des Posts verändert oder die Argumente beeinflusst...



Die Zitate stammen aus der Diskussion zu dem bemängelten Post ('Darwin, Dawkins, Junk-DNA'), in der ich schon vor einer Woche (am 18.07.) gegenüber Christian Passon, dem Autor von 'So wird ein Schu(h) draus!' (übrigens das erste Mal, dass jemand einen Witz über meinen Nachnamen macht, ehrlich...) auf seine diesbezügliche Kritik reagiert habe.
In eben diesen Kommentaren hat Christian mehrfach die Behauptung wiederholt, dass

...der Großteil der ET-Vertreter ja tatsächlich die "Junk"-DNA als solche behandelt und das nach außen auch so vertreten [haben]. Stellen wir uns mal die Situation vor, in der sie sich damals befanden, dann ist der Schluß, dass die DNA tatsächlich Schrott ist keineswegs abwegig.
oder auch

Gerade das hier:
Biologen haben noch nie angenommen, dass alle nicht-kodierende DNA funktionslos ist.
ist nicht korrekt.

Richtiger wäre: Es gab immer wieder Biologen, die (im Gegensatz zur Mehrzahl ihrer Kollegen) Funktionen in der "Junk"-DNA vermuteten.

Bei Gelegenheit könnte ich dazu mal Zitate zusammentragen.
Nun hatte er ja eine Woche Zeit, wissenschaftliche Publikationen zusammenzutragen, in denen die Hypothese aufgestellt wird, dass alle Junk-DNA funktionslos ist. Tut er aber nicht. Warum nur...
Statt dessen baut er den Strohmann auf, mein gesamter Beitrag wäre einer. Da kann ich nur sagen:

Was lernen wir daraus? Strohmänner brennen gut, es gibt Leute, die basteln sie gerne und wenn man ein anfürsich schlechtes Argument lange genug mit falschen Tatsachenbehauptungen und Unwahrheiten stopft....
dann hat man ein Post wie das von Christian.

1 Kommentare:

themurmish said...

Mir vergeht zur Zeit mehr und mehr die Lust mit IDlern zu diskutieren. Die Gespräche bewegen sich meist inhaltlich auf einem sehr niedrigen Niveau und man muss jedesmal wieder den gleichen Kram sagen. Anstatt ums Wesentliche geht es dann wie in der Diskussion hier um irgendeinen Mumpitz, der eh unrelevant ist. Ob ID Sinn macht oder nicht, muss man gar nicht mehr bsprechen. Jeder der ein bischen Anung von Erkenntnistheorie hat, sieht ID ohnehin als offensichtlichen Unsinn.
Last uns lieber am Übermenschen areiten, statt den geistig Armen auf die Sprünge zu helfen, da sie ohnehin nicht springen wollen! *g*