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1 January 2009

Frohes neues Jahr!



Ich wünsche allen meinen Lesern ein glückliches, aufregendes und erfolgreiches 2009!*

MfG,
JLT


* Und möge Euch in 2009 mehr Kreativität beschieden sein als mir, als ich diese Illustration erstellt habe.

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26 December 2008

Das war 2008.


Wenn der Trend so weiter gegangen ist, seit ich nach Irland gegangen bin, sind im deutschen Fernsehen die Jahresrückblick-Sendungen dieses Jahr schon im September gelaufen. Gelegentlich schaue ich gut gemachte Jahresrückblicke ganz gerne, da sie etwas tun, was sonst in den Medien Mangelware ist: Sie verfolgen die Geschichten, die vor Urzeiten (= ein paar Monaten) einmal Schlagzeilen machten, weiter und man erfährt etwas über die längerfristigen Auswirkungen oder darüber, wie es den beteiligten Menschen ergangen ist, nachdem der Medienrummel vorbei war.

Gänzlich ohne jede Auswirkung sind dagegen in den allermeisten Fällen Internet memes, bei denen nicht einmal klar ist (mir jedenfalls), wieso sie überhaupt jemals so bekannt geworden sind. Wer wissen möchte, welche Internet memes er in 2008 "verpasst" oder unwissentlich unterstützt hat, kann sich hier auf den letzten Stand bringen und angehende Internethistoriker haben die Möglichkeit, fast 20 Jahre Internet memes zu analysieren (ja, meine jungen Freunde, so lange gibt es das Internet schon*). Je nach Geschmack kann man auch kalkulieren, wie viel Zeit man über die Jahre mit dem Anschauen mehrheitlich völlig sinnfreier YouTube-Videos vergeudet hat oder eine vergnügliche Zeit mit dem Anschauen klassischer YouTube-Spots verbringen.

Ich persönlich habe in 2008 offenbar keine Zeit im Internet verbracht. Die meisten Spots waren mir völlig unbekannt.

Ich wünsche allen einen guten Rutsch!

MfG,
JLT


[via ERV]

* "The opening of the network to commercial interests began in 1988. The US Federal Networking Council approved the interconnection of the NSFNET to the commercial MCI Mail system in that year and the link was made in the summer of 1989." [Wikipedia]

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24 December 2008

Nicht jeder mag Weihnachten.



Nicht jeder hat so gute Gründe dafür wie diese Katze.

Ich habe mich dieses Jahr mal wieder so richtig auf Weihnachten gefreut, denn dieses Jahr hatten meine Eltern die grandiose Idee, uns zu Weihnachten auf Fuerteventura zu treffen. Anstatt Last minute shopping nach Geschenken (gibt's nicht mehr), verzweifelten Versuchen, den Weihnachtsbaum wenigstens annähernd senkrecht aufzustellen und der Zubereitung von mehr Essen, als eine Durchschnittsfamilie normalerweise in einer Woche verspeist, gibt es dieses Jahr Sonnenschein, Meer und Strand.

:)

Wünsche allen frohe, stressfreie Weihnachtstage!

MfG,
JLT

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21 December 2008

Zum Mitmachen.


Das Wissenschafts-Café (Marc) und der Fischblog (Lars) suchen zusammen nach den besten Wissenschaftspost von 2008. Gefragt sind:

alle Artikel, die einen wissenschaftlichen Bezug haben. Soll heißen: Postings, deren Thematik ins Spektrum der klassischen wissenschaftlichen Disziplinen fällt, also von Physik, Biologie, Chemie, über die Medizin bis zu den Geistes- und Sozialwissenschaften.
Bis zum Jahresende können Posts nominiert werden (bis zu fünf Einträge), entweder in den Kommentaren zu den oben verlinkten Posts oder direkt per Email ans Wissenschafts-Cafè:
auslese2008@wissenschafts-cafe.net

Eine gute Idee, die natürlich nur funktioniert, wenn es auch viele Nominierungen gibt. Falls Euch also ein wissenschaftliches Post* vom letzten Jahr in besonders guter Erinnerung geblieben ist, schnell eine Email an Marc geschickt!

MfG,
JLT


* Im Zweifelsfall dürfen auch Posts von anderen Blogs eingereicht werden.

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16 December 2008

Zitat-Ausbeutung?

Ich habe keine Ahnung, wie man Quotemining ins Deutsche übersetzen könnte, aber das mit diesem Begriff beschriebene Prinzip, Zitate nicht vollständig oder aus dem Kontext gerissen zu verwenden, um einen Punkt zu machen, kommt nicht nur im Englisch-sprachigen Raum vor. Ein "schönes" Beispiel findet sich bei Naturalismuskritik, unter dem gelungenen Titel 'Politik für Parasiten':

Jetzt äußerte sich der Direktor der Senckenberg-Gesellschaft in Frankfurt, Volker Mosbrugger, in einem Interview mit der Welt folgendermaßen:
„Welt Online: Herr Professor Mosbrugger, Sie haben die Menschen einmal als ganz normale Parasiten bezeichnet?

Professor Volker Mosbrugger: Ja, das stimmt. Der Mensch verhält sich auf der Erde ja nicht grundsätzlich anders als jedes beliebige Bakterium, jede Ameise oder jeder Vogel. Wir nutzen alle verfügbaren Ressourcen, um möglichst gut und zahlreich zu überleben. So machen das alle Lebewesen auf der Erde.“
Auch wenn Herr Mosbrugger sicherlich ein friedfertiger Mensch ist, der Gewalt ablehnt, so muss man doch darauf hinweisen dürfen, ja: müssen, dass am Beginn von Großverbrechen allzu oft die verbale Dehumanisierung steht. [...]
Vor allem wenn die freundlichen Menschen vom Schlage Mosbruggers auch noch daran gehen, Handlungskonzepte zu entwerfen, die auf dieser verbalen Dehumanisierung beruhen. Mosbrugger:
„Wir müssen insbesondere die Rolle des Menschen im System Erde wieder besser begreifen und dann ‚vernünftig’, das heißt an den langfristigen Perspektiven orientiert, handeln.“
Das sind beunruhigende Aussichten. Wie soll denn eine Politik aussehen, die auf der Annahme beruht, der Mensch sei nichts anderes als ein Parasit? Man wagt es nicht, eine Antwort zu geben.
Soweit Naturalismuskritik. Schauen wir uns das erste Zitat an (von Welt Online; in kursiv der ausgelassene Satz):
Professor Volker Mosbrugger: Ja, das stimmt. Der Mensch verhält sich auf der Erde ja nicht grundsätzlich anders als jedes beliebige Bakterium, jede Ameise oder jeder Vogel. Wir nutzen alle verfügbaren Ressourcen, um möglichst gut und zahlreich zu überleben. So machen das alle Lebewesen auf der Erde. Das Einzige, was uns von ihnen unterscheidet, ist die Fähigkeit, über unser Handeln zu reflektieren – und gegebenenfalls anders zu handeln.
Na sieh mal einer kuck. Das ist dem Naturalismuskritiker wohl irgendwie abhanden gekommen.

Um zu sehen, wie irreführend das zweite Zitat ist, muss man sich die vorangegangenen Fragen und Antworten anschauen (in fett der von NK verwendete Teil):
WELT ONLINE: Seitdem der "Stern"-Bericht die möglichen Kosten des Klimawandels aufgelistet hat und die IPCC-Berichte diesen Klimawandel darzustellen versuchen, ist Klima auf einmal „in“.

Mosbrugger: Ja. Die IPCC-Berichte gibt es ja schon seit über 15 Jahren. Aber seit die volkswirtschaftlichen Kosten berechnet werden, ist ein neues Bewusstsein um den „Wert“ der Biosphäre entstanden. Das ist gut – auch wenn die öffentliche Diskussion oft ein wenig schief geführt wird. Denn ob die Eisbären eine Klimaerwärmung überleben oder nicht, das berührt die Biosphäre und den Menschen im Grunde recht wenig. Viel wichtiger ist es, ob Schlüsselarten wie beispielsweise bestimmte Bakterien überleben. Denn wenn sie beispielsweise im Boden auf einmal fehlen, dann könnte es sein, dass der Weizen auf einmal nicht mehr wächst. Meistens erkennen wir diese ökologischen Zusammenhänge, die uns direkt betreffen, aber erst dann, wenn es bereits zu spät ist. Erst wenn die Ernten schlecht ausfallen, machen wir uns auf die Suche nach den Gründen. Und dann sind die Bakterien bereits verloren.

WELT ONLINE: Vielleicht setzen sich Menschen auch deshalb nur halbherzig dafür ein, etwas gegen die Erderwärmung zu unternehmen, weil sie uns als Art nicht in die Enge treibt.

Mosbrugger: Mag sein. Der Mensch kommt evolutionsgeschichtlich aus Afrika – mit wärmeren Temperaturen kommt unser Körper also gut zurecht. Und ob die Konzentration von Kohlendioxid ein wenig ansteigt oder nicht, belastet uns auch nicht weiter. Es wird vielleicht Hunger, Kriege und Völkerwanderungen geben, die verschiedenen Regionen und Gesellschaften werden leiden – und aus diesem Grunde sollten wir handeln. Aber wir müssen uns keine Sorgen um unser Überleben als Art machen.

[...]

WELT ONLINE: Es sieht so aus, als ob wir dank moderner Technik und Medizin so ziemlich alle Veränderungen der Atmosphäre in den Griff bekommen könnten. Zumindest als Art sind die Menschen nicht bedroht. Halten wir unser Schicksal in der Hand?

Mosbrugger: Wie gesagt: Als Art sind wir nicht direkt bedroht, wir haben aber unmittelbaren Einfluss auf die Qualität unserer Zukunft. Wir müssen insbesondere die Rolle des Menschen im System Erde wieder besser begreifen und dann „vernünftig“, das heißt an den langfristigen Perspektiven orientiert, handeln.

WELT ONLINE: Sie sind Direktor eines der größten naturhistorischen Museen in Deutschland. Wie müsste eine Ausstellung aussehen, mit der Sie das System Erde vermitteln?

Mosbrugger: So wichtig Ausstellungen in diesem Kontext sind, die gesamte Komplexität, die sich mit diesem Begriff „System Erde“ verbindet, die weitreichenden Konsequenzen kann man nicht in einer einzigen Ausstellung vermitteln. Auch nicht mit einzelnen Vorträgen, Büchern oder Vorlesungen. Auch naturkundliche Früherziehung oder ein besserer Biologie- oder Physikunterricht sind da nur Tropfen auf den heißen Stein. In der Schule hilft das nicht viel weiter. Um den Menschen nicht nur theoretisch verständlich, sondern umfassend begreifbar zu machen, wie das System Erde funktioniert, welche Handlungsoptionen wir haben, müssten wir auch das ganze Bildungssystem und die Bildungsinhalte umstrukturieren: Wir müssten früh anfangen zu lernen, in Systemen und Kreisläufen zu denken und zu handeln. Die disziplinäre Aufspaltung der naturwissenschaftlichen Fächer in der Schule zum Beispiel führt hier nicht zum Ziel.
Um hieraus zu schließen, Mosbrugger plädiere dafür, Politik sollte ausgehend von der Annahme handeln, Menschen seien Parasiten, muss man schon extrem verquere Denkstrukturen aufweisen. Oder Mosbruggers Aussagen vorsätzlich extrem verfälscht darstellen.

Ich überlasse es Euch, Eure eigene Meinung dazu zu bilden. Meine steht jedenfalls schon fest.

MfG,
JLT

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Eine Fangfrage.

Gerade hat sich Marcel von Eight Minutes Old auch noch in der Diskussion zu Wort gemeldet, die schon seit einiger Zeit auf verschiedenen Blogs stattfindet.

Die Diskussion dreht sich um diese Frage [S472Q03] aus der PISA-Studie:

Welche der folgenden Aussagen trifft am besten auf die Evolutionstheorie zu?

A Die Theorie ist unglaubwürdig, da Veränderungen der Arten nicht beobachtet werden können.
B Die Evolutionstheorie gilt für Tiere, nicht aber für den Menschen.
C Die Evolution ist eine wissenschaftliche Theorie, die sich gegenwärtig auf zahlreiche Beobachtungen stützt.
D Die Evolution ist eine Theorie, die durch Forschung bewiesen worden ist.
Die offiziell als richtig angegebene Antwort ist C, aber einige der Diskutanten sind der Meinung, D wäre zutreffender. Alle sind sich einig und ich stimme zu, dass die Antworten selten dämlich formuliert sind, was möglicherweise nicht zuletzt daran liegt, dass der Übersetzer der Antworten aus dem Englischen nicht gerade den besten Job abgeliefert hat. Antwort C sieht im englischen Original so aus:
C Evolution is a scientific theory that is currently based on extensive evidence.
"Extensive evidence" ist eine viel stärkere Aussage als "zahlreiche Beobachtungen". Dass die Antwort C vor allem im Deutschen so schwach formuliert ist, war sicher der Auslöser für viele, sie als nicht wirklich zutreffend abzulehnen. Ich denke, diese Diskussion würde nicht stattfinden, wäre die Antwort beispielsweise so formuliert gewesen:
Die Evolution ist eine wissenschaftliche Theorie, die sich gegenwärtig auf umfangreiche Nachweise stützt.
Was mich aber ganz besonders an beiden Antworten, C und D, stört und woran mich Marcels Post wieder erinnert hat, ist die fehlende Unterscheidung zwischen der Tatsache Evolution und der Evolutionstheorie. Ich brauche das gar nicht selbst noch einmal schreiben, Stephen Gould hat das schon viel besser getan als ich das könnte:
Well, evolution is a theory. It is also a fact. And facts and theories are different things, not rungs in a hierarchy of increasing certainty. Facts are the world's data. Theories are structures of ideas that explain and interpret facts. Facts do not go away when scientists debate rival theories to explain them. Einstein's theory of gravitation replaced Newton's, but apples did not suspend themselves in mid-air, pending the outcome. And humans evolved from apelike ancestors whether they did so by Darwin's proposed mechanism or by some other, yet to be discovered.

Moreover, "fact" does not mean "absolute certainty." The final proofs of logic and mathematics flow deductively from stated premises and achieve certainty only because they are not about the empirical world. Evolutionists make no claim for perpetual truth, though creationists often do (and then attack us for a style of argument that they themselves favor). In science, "fact" can only mean "confirmed to such a degree that it would be perverse to withhold provisional assent." I suppose that apples might start to rise tomorrow, but the possibility does not merit equal time in physics classrooms.

Evolutionists have been clear about this distinction between fact and theory from the very beginning, if only because we have always acknowledged how far we are from completely understanding the mechanisms (theory) by which evolution (fact) occurred. Darwin continually emphasized the difference between his two great and separate accomplishments: establishing the fact of evolution, and proposing a theory—natural selection—to explain the mechanism of evolution. He wrote in The Descent of Man: "I had two distinct objects in view; firstly, to show that species had not been separately created, and secondly, that natural selection had been the chief agent of change. . . . Hence if I have erred in . . . having exaggerated its [natural selection's] power . . . I have at least, as I hope, done good service in aiding to overthrow the dogma of separate creations."
Douglas Futuyma definiert Evolution so:
Biological (or organic) evolution is change in the properties of populations of organisms or groups of such populations, over the course of generations.*
Auch eine bekannte Formulierung der Definition von Evolution gleichen Inhalts: Evolution ist die Veränderung von Allelfrequenzen in einem Genpool**.

Evolution ist eine beobachtbare Tatsache und so findet so sicher statt wie die von Marcel angesprochene gegenseitige Anziehung von Massen. Warum sich "die Eigenschaften einer Population von Organismen über mehrere Generationen hinweg verändern", erklärt die Evolutionstheorie. Jede andere Theorie, die die Evolutionstheorie in ihrer heutigen Form ablösen soll, muss genau dies erklären können und zwar besser als die aktuelle Evolutionstheorie.

Die Antworten sind also gleich doppelt scheiße formuliert, wenn ich das mal so deutlich sagen darf.

Evolution ist meiner Meinung nach über jeden vernünftigen Zweifel hinaus belegt bzw. bewiesen.
Die Evolutionstheorie ist wie jede wissenschaftliche Theorie immer "nur" die gegenwärtig bestmögliche Erklärung der Fakten. Zweifelsohne sind die Kernaussagen der Evolutionstheorie außergewöhnlich gut belegt und es ist mehr als unwahrscheinlich, dass diese Kernaussagen noch umgestoßen werden. Aber genauso trifft es auch immer noch zu, was Gould vor beinahe 30 Jahren schrieb: Wir sind noch immer weit davon entfernt, Evolution in allen Einzelheiten komplett zu verstehen.
Wie jede gute bei jeder guten Theorie ergeben sich mit jedem neuen Fund viele neue Hypothesen, die noch zu klären sind. Eine Theorie, die endgültig bewiesen ist, lässt keine Fragen offen - wissenschaftlich gesehen wäre sie tot. Dies ist bei der Evolutionstheorie sicherlich nicht der Fall.

Zusammengefasst ist also meine Meinung zu der ganzen Geschichte: Alle Antworten sind falsch, aber wenn ich die vermutliche Intention des Fragestellers mit berücksichtige, sehe ich C als die am wenigsten danebenliegende Antwort an.

MfG,
JLT


* Douglas J. Futuyma (1998) Evolutionary Biology 3rd ed., Sinauer Associates Inc. Sunderland MA p.4
** z. B. hier: Helena Curtis and N. Sue Barnes, Biology, 5th ed. 1989 Worth Publishers, p.974

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26 September 2008

Manchmal reicht auch ein Link (6).

Das Disco Institute hat ein "Lehrbuch" über Evolution geschrieben, 'Explore Evolution'. Es gibt vor, die Beweise für und gegen die Evolutionstheorie zu betrachten und es den Schülern zu überlassen, sich selbst eine Meinung zu bilden - passend zu den Gesetzesänderungen, die das Disco Institute beispielsweise in Louisiana erfolgreich durchsetzen konnten. Nicht überraschenderweise waren sie dabei so unehrlich, wie man es von ihnen kennt und mittlerweile auch erwartet.

Ars Technica hat eine Review von Explore Evolution. Geht und lest es. Außerdem an dieser Stelle mein Beileid an den Autor der Review, der das Buch tatsächlich gelesen hat.

MfG,
JLT

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13 September 2008

Während alle über Spore reden...

Derweil, in der nicht-virtuellen Realität, ist die Gruppe um Szostak, über die ich hier schon einmal berichtet habe, anscheinend einen weiteren Schritt näher an die Herstellung künstlichen Lebens gerückt:

Szostak's protocells are built from fatty molecules that can trap bits of nucleic acids that contain the source code for replication. Combined with a process that harnesses external energy from the sun or chemical reactions, they could form a self-replicating, evolving system that satisfies the conditions of life, but isn't anything like life on earth now, but might represent life as it began or could exist elsewhere in the universe.

While his latest work remains unpublished, Szostak described preliminary new success in getting protocells with genetic information inside them to replicate at the XV International Conference on the Origin of Life in Florence, Italy, last week. The replication isn't wholly autonomous, so it's not quite artificial life yet, but it is as close as anyone has ever come to turning chemicals into biological organisms.

"We've made more progress on how the membrane of a protocell could grow and divide," Szostak said in a phone interview. "What we can do now is copy a limited set of simple [genetic] sequences, but we need to be able to copy arbitrary sequences so that sequences could evolve that do something useful."
[Quelle: RichardDawkins.net, Wired]

Auf den nächsten Artikel dieser Gruppe kann man gespannt sein.

Und noch viel mehr bin ich darauf gespannt, was man in 10 oder 20 Jahren zu künstlichem Leben schreiben wird! Artificial protocell evolved ..?.. in long term evolution experiment wäre eine Schlagzeile, die ich gerne einmal lesen würde.

MfG,
JLT

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12 September 2008

Grayling erledigt Fuller.

Noch schnell ein Tipp: Vielleicht habt ihr Sahotra Sarkars Review von Steve Fullers* Buch 'Science v. Religion? Intelligent Design and the Problem of Evolution' schon gelesen, die mit diesem herrlichen Abschnitt endet:

These excursions into fancy allow me to end on a positive note: the lack of depth or insight in this book is more than compensated by the entertainment it provides, at least to a philosopher or historian of science. No one should begrudge us our simple pleasures. I'm happy to have read this book, and even more so not to have paid for it.
Fuller hat auf UD darauf geantwortet (tl;dr), vor gemeinen Kommentaren durch WA Dembskis Verbannungsmächte geschützt ("I’m paying special attention to this thread so that only civil, thoughtful comments are entered. “Physicalist,” whoever s/he was, is no longer with us.").

Nun gibt es eine Review von Fullers neuem Buch 'Dissent over Descent' von AC Grayling für The New Humanist.

Grayling kann Fullers neues Buch nicht wirklich lustig finden, dazu hat er offensichtlich beim Lesen zu sehr gelitten. Sein einleitender Absatz:
It is sometimes hard to know whether books that strike one as silly and irresponsible, like Dissent over Descent, the latest book from Steve Fuller, are the product of a desire to strike a pose and appear outrageous (the John Gray syndrome), or really do represent that cancer of the contemporary intellect, post-modernism. I suppose putatively sincere extrusions of the post-modern sensibility might henceforth deserve to be known as “the Steve Fuller syndrome”. For this offering by the American-born sociologist is a classic case of the absurdity to which that sensibility leads.
LOL.

Auch darauf hat Fuller geantwortet [The New Humanist], mit dem üblichen Geheule, Grayling hätte sein Buch weder gelesen, noch verstanden.

Grayling hat eine Erwiderung geschrieben und dabei nun wirklich die Glacé-Handschuhe ausgezogen: 'Bolus of Nonsense' [The New Humanist]. Mir hat vor allem dieser Abschnitt gefallen, aber es ist in seiner Gänze lesenswert (wie auch seine ursprüngliche Review):
Fuller's endeavour turns in important part on trying to show that science is the child of religion, that its styles of thought are religion's styles, and that the very coherence of the scientific enterprise owes itself to the grand narrative of the religious world-view. Still wishing to spare those forests threatened by the epigones of ID theory and the time-wasting involved in rebutting it, I offer the words of no less an authority than Cardinal Bellarmine, written in 1615 to Paolo Antonio Foscarini, who had tried to show that Copernican heliocentrism is consistent with Vatican doctrine: "As you are aware," so Bellarmine wrote, "the Council of Trent forbids the interpretation of the Scriptures in a way contrary to the common opinion of the holy Fathers. Now if you will read, not merely the Fathers, but modern commentators on Genesis, the Psalms, Ecclesiastes, and Joshua, you will discover that all agree in interpreting them literally as teaching that the Sun is in the heavens and revolves round the Earth with immense speed, and that the Earth is very distant from the heavens, at the centre of the universe, and motionless. Consider then, in your prudence, whether the Church can tolerate that the Scriptures should be interpreted in a manner contrary to that of the holy Fathers and of all modern commentators, both Latin and Greek."

"Consider in your prudence": indeed. This was a decade and a half after Giordano Bruno was burned to death in Rome's Campo dei Fiori for having among his many alleged turpitudes an adherence to the Copernican view; four years before Cesare Vanini died at the stake in Toulouse in 1619 for the same reasons; and just less than another decade and a half before Galileo escaped their fate by denying that the earth moves. (Such are just the salient names.) Copernicus's De Revolutionibus found its way onto the Index of Forbidden Books.

The Vatican, by the way, formally apologised for its prosecution of Galileo on 31 October 1992. The apology came four centuries late; science had long since moved far on. Yet Fuller thinks that science springs from religion. Before you think this is mere absurdity, remember it is because Fuller has to bend and muddle things round so that an ancient creation myth can be fitted into jeans and a t-shirt and made to look hot. This is not ignorance and stupidity: this is trahison d'un clerc.
MfG,
JLT




* Steve Fuller ist der neue Liebling der IDler und besonders der UDler, die sich freuen, mal wieder einen neuen Deppen gefunden zu haben, der auf ihren Blödsinn reingefallen ist.

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Da werde ich sowas von hingehen!

On Thursday, 16 October 2008, the University Philosophical Society of Trinity College, Dublin — the world’s oldest debating society (founded 1684) — will sponsor a debate on evolution, creation, and materialism. The debate will occur at 7:30 pm in the Debating Room of the Graduates’ Memorial Building (that’s the building in the photograph above), just off the College’s Front Square.
[Quelle: UD]

Als IDler werden David Berlinski, Paul Nelson und Stephen Moore da sein. Die ersten beiden sind "Fellows" am Disco Institute, der letzte gehört zu der Bande von Volltrotteln, die sich im "Causeway Creation Commitee" zusammengefunden haben. Die wollen ernsthaft, dass in einem neuen Besucherzentrum am Giant's Causeway als alternative Entstehungsgeschichte dieser Formation auch die Entstehung während der Sintflut [das ist ein Link zu "Creation on the Web"; DO NOT GO THERE UNPREPARED! Use your tinfoil hat to reflect brain death rays.] vor ein paar tausend Jahren genannt wird:
Dunluce Christian Fellowship sponsers the Causeway Creation Committee. The Causeway Creation Committee desires that any new visitor centre at the Giant’s Causeway should include a display and information concerning its origins from a Biblical perspective.

Not only do we desire to see this at the Giant’s Causeway but we want to see it replicated across museums and other tourist sites throughout Northern Ireland. We also desire to see ”Creationism” being taught alongside the “Theory of Evolution” in our local schools.
[Quelle: Dunluce Christian Fellowship]

Yupp, und außerdem wollen sie natürlich Kreationismus an Schulen unterrichten.

In Wirklichkeit ist der Giant's Causeway vor 50 - 60 Millionen Jahren entstanden [Bildquelle: Wikipedia; Übersichtsfoto hier, noch viel mehr Fotos], als Teil einer Lavafläche, die große Teile des heutigen Irlands, Großbritanniens, Grönlands, Norwegens (die damals viel näher zusammenlagen) und alles dazwischen bedeckte.

Auf der Seite der Wissenschaft sind Bob Bloomfield vom Britischen Museum, Christopher Stillman, ein Geologe (ha, das passt!) und David Colquhoun, den der eine oder andere vielleicht durch seinen Blog DC's Improbable Science kennt. Außerdem haben sie auch den anglikanischen Vikar der Uni eingeladen.

Das sollte interessant werden. Hoffentlich kann ich es zeitlich einrichten und es kommt nichts wichtiges dazwischen, ich würde zu gerne die Leute mal "in echt" reden hören.

MfG,
JLT

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28 August 2008

Beide Seiten.

In Louisiana wurde vor kurzem eine neues Gesetz (Science Education Act) beschlossen, das die Einführung evolutionskritischen Materials in die Schulen erlaubt. Carl Zimmer hat das in einem Post so zusammengefasst:

A couple weeks ago Louisiana passed a new science education act that promotes “critical thinking skills, logical analysis, and open and objective discussion of scientific theories being studied including, but not limited to, evolution, the origins of life, global warming, and human cloning.” Along with the regular textbook, the law states, teachers “may use supplemental textbooks and other instructional materials to help students understand, analyze, critique, and review scientific theories in an objective manner.” The law “shall not be construed to promote any religious doctrine, promote discrimination for or against a particular set of religious beliefs, or promote discrimination for or against religion or nonreligion.”
What the law does not make clear, however, is how schools will determine whether the extra instructional material is good science or nonsense. There is nothing in the law that would keep a teacher from introducing a bogus non-argument about gravity and the revolution of the planets.
Auch interessant dieser Artikel, 'Eroding Evolution: Religious Right Forces In Louisiana Try New Tactic To Smuggle Religion Into Public School Science Classrooms', der die ganze Geschichte noch einmal aktuell zusammenfasst. Über Thoughts in a Haystack, wo ich auch den Link zu diesem Artikel gefunden habe, bin ich auf die Seite des Louisiana Family Forums gestoßen, die eine der treibenden Kräfte hinter der Verabschiedung des neuen Gesetzes waren. Diese stellen für eine ganze Reihe von Biologie-Textbüchern Ergänzungen bereit, die angeblich eine kritische Analyse der Evolutionstheorie ermöglichen sollen.

Ich hab nur in eine der Ergänzungen [.pdf] kurz reingeschaut und bin gleich am ersten Absatz hängengeblieben:
On the basis that micro evolution was true he hypothesized that "macro” evolution or "molecules to man” evolution was also true. The textbook defines macro-evolution as “large scale evolutionary patterns and processes that occur over long periods time.” (Page 435) Macro-evolution could be said to occur if a dog became a cat or a dinosaur became a bird. It occurs at the genus or higher level (see text page 450) and implies that all life on Earth descended from a few types of cells that somehow came into being in the past. The diagram below should help you understand the differences in the two terms

Man
^^
MACRO-EVOLUTION can be considered to be VERTICAL (Has no proven examples.)
^^
Amoeba



<- MICRO-EVOLUTION can be considered to be HORIZONTAL ->

It is a change or adaptation at the species level. (Examples are the number of different types of: cats, dogs, cattle, birds, fish, etc.).


Based upon these definitions it is easy to see that micro-evolution is true but the truth of macroevolution has not been established since it has not been observed directly. Using the term "evolution" without specifying which type is being discussed is misleading and unfortunate and has caused much misunderstanding among scientists and the public. The term “macro” (molecules to man) evolution should be used in order to clarify the problem.
Das ist auf so vielen Ebenen falsch, es ist erschütternd.

Die Literatur, die sie als Referenz verwenden, ist im Schnitt von 1970-80 (dabei wurde u. a. damit argumentiert, das Gesetz sollte es den Lehrern ermöglichen, auch neueres, aktuelleres Material in den Unterricht zu bringen) und solche Behauptungen wie die obige sind natürlich überhaupt nicht belegt.

Als zweiten Auszug noch ihr "Addendum" zur Evolution des Menschen:
Even the 5% difference amounts to a staggering amount of information in the DNA. If the human and chimpanzee genomes are considered to have the same number of base pairs, (3,200,000,000) in spite of the chimp having 2 more chromosomes than the human and 10% more DNA, the 5% amounts to 150,000,000 bases. This is the amount of information contained in a book whose thickness is equivalent to about 30 books such as this textbook if it contained nothing but full pages of print from cover to cover. If this much information difference exists in the DNA between the chimpanzee and the human the difference between man’s ancestor and man must be much larger. It is completely inconceivable that this much coherent information could have been accidentally changed in the DNA of a member of the ape family to get man when the mutational problems discussed earlier are considered. If the transition from ape to man is to be accomplished by mutations, it is apparent that there should be plenty of fossil evidence. Where is the fossil evidence?

Think Critically: If the chimp has 10% more DNA than a human how can it be said that there is only a 5% difference? Which of the differences given above is the most reasonable?

There is much disagreement over whether or not “Lucy” is in the ancestral lineage of man. Many reputable paleontologists maintain that she is only a pygmy chimpanzee similar to ones alive today. Paleontologist Adrienne Zihlman, University of California at Santa Cruz says, "Lucy's fossil remains match remarkably well with the bones of a pygmy chimp." Evolutionists such as Charles Oxnard, Sir Solly Zuckerman, William L. Jungers, Jack T. Stern, Jr and Randall L. Susman all concur.
Hier wollen die Autoren den Unterschied zwischen Menschen und Schimpansen möglichst groß erscheinen lassen, daher sprechen sie von 2 Chromosomen, ohne zu erwähnen, dass das für den *diploiden* Chromosomensatz gilt (wir haben 23 verschiedene Chromosomen, der diploide Chromosomensatz umfasst also 46 Chromosomen; Schimpansen haben 24 verschiedenen Chromosomen, also 48 diploid) und natürlich ohne zu erwähnen, dass das zusätzliche Chromosom der Schimpansen einem Abschnitt auf einem unserer Chromosomen entspricht.
Das menschliche Chromosom 2 ist aus einer Verschmelzung zweier Chromosomen entstanden, wie man beispielsweise an den Resten von Telomeren (normalerweise "Endstücke" von Chromosomen) innerhalb des Chromosoms erkennen kann. Der eine Teil des menschlichen Chromosoms 2 ist nahezu identisch mit Chromosom 2a von Schimpansen, der andere Teil ist nahezu identisch mit Chromosom 2b von Schimpansen.

Dann der Vollschwachsinn, der Unterschied zwischen unseren Vorfahren und uns müsse größer sein als der Unterschied zwischen Schimpansen und uns. Warum um alles in der Welt? Wenn nach der Aufspaltung der Linien, die zu den Schimpansen und den Menschen führen, in der "Schimpansen-Linie" X Veränderungen aufgetreten sind und in der "Menschen-Linie" Y Veränderungen, dann unterscheiden sich Schimpansen und Menschen durch X + Y Veränderungen. Der Unterschied zwischen Menschen und Schimpansen (X + Y) kann NIE kleiner sein, als der Unterschied zwischen Schimpansen und dem letzten gemeinsamen Vorfahren (X) oder der Unterschied zwischen uns und unserem letzten gemeinsamen Vorfahren mit den Schimpansen (Y).

Aber sie wollen logisches und kritisches Denken fördern, gute Güte.

Und als letztes Schmankerl bringen sie noch das uralte Kreationistenargument, Lucy wäre nur ein kleiner Schimpanse gewesen. Bei Talk.Origins gibt es eine längere Widerlegung, daraus:
Solly Zuckerman attempted to prove with biometrical studies (based on measurements) that the australopithecines were apes. Zuckerman lost this debate in the 1950's, and his position was abandoned by everyone else (Johanson and Edey 1981). Creationists like to quote his opinions as if they were still a scientifically acceptable viewpoint.

Charles Oxnard (1975), in a paper that is widely cited by creationists, claimed, based on his multivariate analyses, that australopithecines are no more closely related, or more similar, to humans than modern apes are. Howell et al.(1978) criticized this conclusion on a number of grounds. Oxnard's results were based on measurements of a few skeletal bones which were usually fragmentary and often poorly preserved. The measurements did not describe the complex shape of some bones, and did not distinguish between aspects which are important for understanding locomotion from those which were not. Finally, there is "an overwhelming body of evidence", based on the work of nearly 30 scientists, which contradicts Oxnard's work. These studies used a variety of techniques, including those used by Oxnard, and were based on many different body parts and joint complexes. They overwhelmingly indicate that australopithecines resemble humans more closely than the living apes.
Und weiter unten:
Creationists are generally reluctant to accept that australopithecines, including Lucy, were bipedal. A statement by Weaver (1985) that "Australopithecus afarensis ... demonstrates virtually complete adaptation to upright walking" is dismissed by Willis (1987) as "a preposterous claim". Willis adds: "Many competent anthropologists have carefully examined these and other "Australopithicine" [sic] remains and concluded that Lucy could not walk upright."

Willis' evidence for this consists of a statement by Solly Zuckerman made in 1970; a 1971 statement from Richard Leakey that australopithecines "may have been knuckle-walkers", and a quote from Charles Oxnard about the relationship between humans, australopithecines and the apes. In fact, none of these quotes refer to Lucy. Two of them were made before Lucy, and A. afarensis, was even discovered (and the third was made very soon afterwards, before Lucy had been studied). [Anm.: Lucy wurde 1974 gefunden.]

Even in 1970, Zuckerman's views had long since been largely abandoned. In what is obviously a fabrication, Willis says that Leakey "referred to Lucy as an ape who did not walk upright", three years before Lucy was discovered. Leakey was merely making a suggestion (about robust australopithecines) which he soon retracted, not stating a firm opinion, and he has since stated (1994) that Lucy "undoubtedly was a biped". Oxnard (1975; 1987) has some unorthodox opinions about the australopithecines, but the Oxnard quote supplied by Willis discusses neither bipedality nor A. afarensis. Elsewhere in the same paper that Willis refers to, Oxnard (1975) repeatedly mentions that australopithecines may have been bipedal, and he has since stated (1987) that the australopithecines, including Lucy, were bipedal.

Die beiden Referenzen, die hier für Zuckermann und Oxnard angegeben werden, sind exakt dieselben, die auch in der Textbuch-Ergänzung verwendet werden. Keine einzige ihrer Referenzen zu Lucy ist jünger als 1984.

Fassen wir also zusammen:
Zuckerman (1970): Bevor Lucy gefunden wurde. Nicht peer-reviewed.

Oxnard (1974): Im gleichen Jahr, in dem Lucy gefunden wurde, ohne Lucy untersucht zu haben. Nicht peer-reviewed.

Und der Rest der angegebenen Referenzen?

Zihlman (1984): Aus einem Artikel im New Scientist! Nicht peer-reviewed.
Kann leider das Originalzitat nicht überprüfen, aber ich gehe mal schwer davon aus, dass es sich um quote mining handelt. Es gibt nämlich sogar einen Nature-Artikel von Zihlman zu dem Thema: Pygmy chimpanzee as a possible prototype for the common ancestor of humans, chimpanzees and gorillas [Nature 275, 744 - 746 (26 October 1978)]. Aus dem haben sie aber verständlicherweise auch nicht zitiert, denn der belegt keineswegs, was sie behaupten.
Das Abstract:
A CONVINCING theory of human origins must clarify man's relationships with living primates and with the ancestral forms known only through fossils. Phylogenetic relationships have previously been determined mainly by anatomical similarities, but now, biochemical similarities provide independent criteria for evolutionary relationships. Albumin and transferrin immunology, immunodifrusion, DNA annealing and amino acid analysis all indicate that chimpanzees, gorillas and humans share a substantial common ancestry, and that the Asiatic apes (gibbons and orangutans) diverged earlier from this lineage. These findings directly conflict with the more widely held view that all the great apes diverged from a common ancestor long after the 'Origin' of the evolutionary line leading to modern humans4. The molecular data consistently suggest a much more recent origin of the man–chimpanzee–gorilla separation than was previously imagined, namely, in the range of 4–6 M yr ago. These data show that, although the two chimpanzee species (Pan paniscus and P. troglodytes) are biochemically distinct, they are more closely related to each other than either is to humans or gorillas. The chimpanzees speciated, then, after the initial three-way split. We therefore, here contend that, among living species, the pygmy chimpanzee (P. paniscus) offers us the best prototype of the prehominid ancestor. Biochemical, morphological, behavioural and palaeontological data support this proposition and argue for a relatively recent and accelerated divergence of the hominid from the pongid line.
Junger (1982): Das Abstract des als Referenz angegebenen Artikels, in dem Lucy keineswegs als "pygmy chimp" bezeichnet wird:
Precise information about the bodily proportions of early hominids is crucial for accurate functional and phylogenetic interpretations of early human evolution. The partial skeleton of Australopithecus afarensis (AL 288-1; 'Lucy') recovered in 1974 from the Hadar area of Ethiopia9 permits the first direct assessment of body size, limb proportions and skeletal allometry in ancestral hominids that pre-date 3 Myr. Using allometric relationships for limb lengths in non-human catarrhine primates (as a whole and for African apes alone) as empirical base lines for comparison, I show here that the limb proportions of A. afarensis are clearly unique among hominoids. The data indicate that A. afarensis had already attained forelimb proportions similar to those of modern humans but possessed hindlimbs that were relatively much shorter; hence the 'intermediate' humerofemoral index of AL 288-1 (85.1) compared with Homo sapiens and great apes. It follows that relative and absolute elongation of the hindlimbs represents one of the major evolutionary changes in later human evolution. The bodily proportions of Lucy are not incompatible with some form of bipedal locomotion, but kinematic identity and functional equivalence with the bipedal gait of modern humans seem highly improbable. Reduced relative stride length in AL 288-1 probably implies both greater relative energy cost and relatively lower peak velocities of bipedal locomotion in A. afarensis.
Stern und Susman (1983): Leider habe ich keinen Zugriff auf den Volltext, den Abstract gibts hier. Daraus:
It is demonstrated that A. afarensis possessed anatomic characteristics that indicate a significant adaptation for movement in the trees. Other structural features point to a mode of terrestrial bipedality that involved less extension at the hip and knee than occurs in modern humans, and only limited transfer of weight onto the medial part of the ball of the foot, but such conclusions remain more tentative than that asserting substantive arboreality. A comparison of the specimens representing smaller individuals, presumably female, to those of larger individuals, presumably male, suggests sexual differences in locomotor behavior linked to marked size dimorphism. The males were probably less arboreal and engaged more frequently in terrestrial bipedalism. In our opinion, A. afarensis from Hadar [Anm.: aka Lucy] is very close to what can be called a "missing link." We speculate that earlier representatives of the A. afarensis lineage will present not a combination of arboreal and bipedal traits, but rather the anatomy of a generalized ape.
In diesem kleinen Ausschnitt, den ich mir angeschaut habe, werden Fakten verdreht oder verschwiegen (und man muss nicht die Evolutionstheorie anerkennen, um z. B. Telomerreste innerhalb eines Chromosoms zu entdecken; das gehört allerdings zu den Fakten, die eine Theorie erklären können muss), es werden grobe logische Fehler begangen und es wird gequotemined, was das Zeug hält.
Den Rest dieses Ergänzungsmaterials habe ich mir gar nicht erst angeschaut, aber ich bezweifle keine Sekunde lang, dass auch die anderen Abschnitte so voller logischer und faktischer Fehler sind wie dieser.

Und das ist, was als Resultat eines Gesetzes, welches "critical thinking skills, logical analysis, and open and objective discussion of scientific theories" fördern soll, höchstwahrscheinlich auf die Schüler losgelassen wird.

So lange ich mich mit dieser ganzen Kreationismus-Geschichte schon befasse, bin ich doch immer wieder aufs Neue überrascht, wie abgrundtief schlecht ihre Argumente sind - man muss doch aktiv verhindern, dass Schüler tatsächlich einen kritischen Umgang mit vorgeblich wissenschaftlichen Texten erlernen, wenn man ihnen solch grottiges "Lehrmaterial" vorsetzen und nicht Gefahr laufen möchte, ausgelacht zu werden.

MfG,
JLT


[Bild-Quelle oben: PTET; unten: verändert von mir, ursprünglich Indexed]



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17 August 2008

Ohne Worte.




[Quelle: My [confined] Space; via Sandwalk]

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16 August 2008

Die wirklich wichtigen Fragen.

Das Religion im amerikanischen Wahlkampf eine große Rolle spielt, ist nichts Neues, aber das überrascht mich dann doch:

It is a sign of how seriously Americans take religion that the first general-election meeting between Barack Obama and John McCain will take place not in a university auditorium, with network news anchors as moderators, but in the sanctuary of an Evangelical megachurch with a Southern Baptist pastor playing the role of interrogator. For two hours on Saturday evening, the two presumptive presidential nominees will field questions on policy issues, character and faith (consecutively, not debating each other) from Rick Warren at his Saddleback Church in Orange County, Calif.
[Quelle: Time/CNN; hier noch ein weiterer Beitrag dazu]

Oder eigentlich deprimiert es mich nur.

MfG,
JLT

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15 August 2008

“We think space and time are important because that’s the kind of monkeys we are.”

Ich bin der festen Überzeugung, dass unsere menschlichen Gehirne in einer Weise von der Evolution "geformt" wurde, die uns für manche Konzepte anfällig macht und uns bei anderen an die Grenzen unserer Vorstellungskraft geraten lässt.

Um mal eine "just-so"-Geschichte zu erzählen:

In unserer evolutionären Vergangenheit war es sicher mal von Vorteil, wenn es im Busch raschelte oder wir (oder unsere Vorfahren) meinten, einen Schatten vorbeihuschen zu sehen, so zu reagieren, als wäre wirklich jemand/etwas hinter dem Busch oder wirklich etwas vorbeigehuscht. Lieber ein paar Mal umsonst geflüchtet, als einmal von dem Raubtier gefressen zu werden, das beim zehnten Mal dann doch tatsächlich durch die Gegend streift.

Wie sich unsere Bereitschaft, immer nach einem Verursacher, einem Grund oder einem Zweck zu suchen, auf diese oder ähnliche Art und Weise in unseren Genen festgeschrieben hat, kann ich mir gut vorstellen.

Die völlige Zufälligkeit vieler Ereignisse - ob das nun Unfälle, Naturkatastrophen, Krankheiten sind - ist uns unbehaglich, schließlich gibt es dann nichts, was uns davor bewahrt, auch Opfer solcher Ereignisse zu werden. Darum werden Opfer von Verbrechen schnell selbst zum Schuldigen gemacht, darum gibt es Geschichten, die Naturkatastrophen als die Rache einer Gottheit für die Sünden der Menschen "erklären". Dahinter steht meiner Meinung nach immer nur der eine Gedanke: Wenn ich mich auf eine bestimmte Weise verhalte, dann trifft es nicht mich.

Aber das wir überhaupt erst auf die Idee kommen, es müsse einen Grund, eine Ursache, einen Verursacher geben, ist meiner Meinung nach durch natürliche Selektion in unseren Genen festgeschrieben worden.

Nun kann das alles, wie ich eingangs geschrieben habe, natürlich auch völliger Unsinn sein. Aber auf der anderen Seite des Spektrums, bei den "Konzepten", die uns nur schwer vorstellbar sind, sehe ich eine gewisse Bestätigung für diese Hypothese. Unsere Vorstellungsfähigkeit sehr großer Entfernungen und sehr großer Zeiträume ist stark begrenzt und auch im sub-mikroskopischen Bereich haben wir große Schwierigkeiten, eine echte Vorstellung von dem zu entwickeln, was wir durch Forschung herausfinden.
Es ist - wenigstens für mich - nur sehr schwer vorstellbar, wie beispielsweise ein Hund die Welt mit seiner Nase "sieht", mit seinen 30 - 40 Mal mehr Riechzellen als der Mensch, oder wie die Fledermaus ihre Umgebung mittels Ultraschall wahrnimmt. Wie sieht eine Schlange die Welt, die Infrarot, also Wärmestrahlen wahrnehmen kann, oder eine Taube, die (angeblich) das Magnetfeld der Erde "sieht"?

Mir erscheint es offensichtlich, dass das menschliche Gehirn aufgrund seiner evolutionären Geschichte ein paar "Macken" hat, die uns in einige Fällen Erklärungen herbei beschwören lässt, uns aber mit anderen Phänomenen nahezu hilflos zurücklässt, weil diese außerhalb des Erfahrungsbereichs liegen, in dem das menschliche Gehirn evolvierte.

Eine nette "Bestätigung" dieses Gedankens fand ich heute in einem Artikel von Nature News, 'Physicists spooked by faster-than-light information transfer'. Ein nicht an der Studie beteiligter Forscher sagte das Folgende zu den Ergebnissen:

The experiment shows that in quantum mechanics at least, some things transcend space-time, says Terence Rudolph, a theorist at Imperial College London. It also shows that humans have attached undue importance to the three dimensions of space and one of time we live in, he argues. “We think space and time are important because that’s the kind of monkeys we are.”

If you are baffled by the result, fear not — you’re not alone. “For me, honestly, it doesn’t make any sense,” says Gisin [einer der Autoren der Studie]. “I don’t think we can today claim that we have a good story to tell how this all happens.”
So, jetzt aber wieder zurück zu der Fakten-basierten Realität ;)

MfG,
JLT


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14 August 2008

Darwin und Embryologie.

Dies ist ein begleitendes Post zu einem Teil meiner Buchbesprechung von Dembskis 'Understanding intelligent design'.

Darwin widmete der Embryologie ein eigenes Unterkapitel und wertete verschiedene Beobachtungen aus diesem Gebiet als sehr überzeugende Argumente für eine gemeinsame Abstammung.
Seine Argumentation beinhaltet eine ganze Reihe einzelner Punkte, die ich hier nicht in ihrer Gesamtheit wiedergeben kann. Ich werde trotzdem versuchen, die Wichtigsten hier wiederzugeben, um Euch einen Eindruck über Darwins Herangehensweise zu vermitteln.

Zunächst zählt Darwin einige Fakten auf:

Einige Strukturen, die im erwachsenen Tier große Unterschiede aufweisen und verschiedenen Zwecken dienen, sind im Embryo noch sehr ähnlich (z. B. Körpersegmente von Insekten oder Vorder-/Hinterextremitäten). Innerhalb einer Klasse sind die Embryos der dazugehörigen Arten ebenfalls sehr ähnlich, auch wenn die erwachsenen Tiere sich stark unterscheiden können.

It has already been stated that various parts in the same individual which are exactly alike during an early embryonic period, become widely different and serve for widely different purposes in the adult state. So again it has been shown that generally the embryos of the most distinct species belonging to the same class are closely similar, but become, when fully developed, widely dissimilar. A better proof of this latter fact cannot be given than the statement by Von Baer that "the embryos of mammalia, of birds, lizards, and snakes, probably also of chelonia, are in their earliest states exceedingly like one another, both as a whole and in the mode of development of their parts; so much so, in fact, that we can often distinguish the embryos only by their size. In my possession are two little embryos in spirit, whose names I have omitted to attach, and at present I am quite unable to say to what class they belong. They may be lizards or small birds, or very young mammalia, so complete is the similarity in the mode of formation of the head and trunk in these animals. The extremities, however, are still absent in these embryos. But even if they had existed in the earliest stage of their development we should learn nothing, for the feet of lizards and mammals, the wings and feet of birds, no less than the hands and feet of man, all arise from the same fundamental form."
[...]
A trace of the law of embryonic resemblance occasionally lasts till a rather late age: thus birds of the same genus, and of allied genera, often resemble each other in their immature plumage; as we see in the spotted feathers in the young of the thrush group. In the cat tribe, most of the species when adult are striped or spotted in lines; and stripes or spots can be plainly distinguished in the whelp of the lion and the puma. We occasionally though rarely see something of the same kind in plants; thus the first leaves of the ulex or furze, and the first leaves of the phyllodineous acacias, are pinnate or divided like the ordinary leaves of the leguminosæ. [pp. 387/388]
Der Grund für die Ähnlichkeit einzelner Strukturen während der embryonalen Entwicklung kann nicht darin liegen, dass sie Anpassungen an ähnliche Bedingungen darstellen, da sich auch ähnliche Strukturen in Embryos finden, die unter sehr unterschiedlichen Bedingungen heranreifen.
The points of structure, in which the embryos of widely different animals within the same class resemble each other, often have no direct relation to their conditions of existence. We cannot, for instance, suppose that in the embryos of the vertebrata the peculiar loop-like courses of the arteries near the branchial slits are related to similar conditions,—in the young mammal which is nourished in the womb of its mother, in the egg of the bird which is hatched in a nest, and in the spawn of a frog under water. We have no more reason to believe in such a relation, than we have to believe that the similar bones in the hand of a man, wing of a bat, and fin of a porpoise, are related to similar conditions of life. No one supposes that the stripes on the whelp of a lion, or the spots on the young blackbird, are of any use to these animals. [p. 388]
Diesen Punkt unterstreicht Darwin noch durch Beispiele von Insekten- und Crustaceenlarven und kommt später noch einmal darauf zurück:
We are so much accustomed to see a difference in structure between the embryo and the adult, that we are tempted to look at this difference as in some necessary manner contingent on growth. But there is no reason why, for instance, the wing of a bat, or the fin of a porpoise, should not have been sketched out with all their parts in proper proportion, as soon as any part became visible. [p. 390]
Dies ist die Vorbereitung seines Arguments für common descent:
How, then, can we explain these several facts in embryology,—namely, the very general, though not universal, difference in structure between the embryo and the adult;—the various parts in the same individual embryo, which ultimately become very unlike and serve for diverse purposes, being at an early period of growth alike;—the common, but not invariable, resemblance between the embryos or larvæ of the most distinct species in the same class;—the embryo often retaining whilst within the egg or womb, structures which are of no service to it, either at that or at a later period of life; on the other hand larvæ, which have to provide for their own wants, being perfectly adapted to the surrounding conditions;—and lastly the fact of certain larvæ standing higher in the scale of organisation than the mature animal into which they are developed? I believe that all these facts can be explained, as follows.
[pp. 390/391]
Seine folgende Erklärung beinhaltet zunächst, dass Modifikationen, die das Aussehen des erwachsenen Tieres betreffen, nicht notwendigerweise auch schon für den Embryo/das Jungtier von Nutzen sind. Solange z. B. ein Jungvogel noch von seinen Eltern gefüttert wird, benötigt er noch keinen spezialisierten Schnabel. Die Ausbildung dieser Modifikation früher in der Entwicklung wird also durch nichts begünstigt (oder könnte sogar negativ sein). Darum, wenn man eine gemeinsame Abstammung annimmt, sollten sich die frühen Entwicklungsstufen ähnlicher sehen als die erwachsenen Tiere.

Um dies zu überprüfen, vermaß Darwin verschiedene domestizierte Hunde-, Pferde- und Taubenrassen, von denen mit ziemlicher Sicherheit angenommen werden konnte, dass sie jeweils aus einer einzigen Art hervorgegangen war. Er konnte bestätigen, dass die sehr jungen Tiere (3 Tage nach der Geburt bzw. 12 Stunden nach dem Schlüpfen) noch sehr ähnlicher in ihren Proportionen waren als die erwachsenen Tiere.

Dies übertrug er dann auf natürlich vorkommende Arten:
Let us take a group of birds, descended from some ancient form and modified through natural selection for different habits. Then, from the many slight successive variations having supervened in the several species at a not early age, and having been inherited at a corresponding age, the young will have been but little modified, and they will still resemble each other much more closely than do the adults,—just as we have seen with the breeds of the pigeon. We may extend this view to widely distinct structures and to whole classes. The fore-limbs, for instance, which once served as legs to a remote progenitor, may have become, through a long course of modification, adapted in one descendant to act as hands, in another as paddles, in another as wings; but on the above two principles the fore-limbs will not have been much modified in the embryos of these several forms; although in each form the fore-limb will differ greatly in the adult state. [p. 393]
Darwin wusste natürlich noch nichts über die genetischen Grundlagen der Vererbung und wenn es darum geht, dieses spätere Auftreten von Modifikationen in der individuellen Entwicklung zu erklären, liegt er einigermaßen falsch. Wenn ich ihn richtig verstehe, stellt er sich die Embryonalentwicklung als eine Art Programm mit verschiedenen Stufen vor, die durchlaufen werden und neue Modifikationen werden einfach "hintendrangepackt". Aus einer Urform mit dem Programm 1-2-3 werden durch verschiedene Modifikationen dann verschiedene Spezies mit den Programmen 1-2-3-4, 1-2-3-5 oder 1-2-3-6.

Diese Sichtweise erscheint einem heute natürlich ziemlich naiv, aber wenn man sich vor Augen führt, dass Darwin nichts von Genen oder DNA wusste, dann finde ich seine Leistung, mit einem plausiblen Modell aufzuwarten, wirklich bewundernswert, auch wenn er nicht ganz richtig lag.

Er war in sofern sogar schon relativ "modern", als ihm auch bewusst war, dass auch einzelne Stufen reduziert, modifiziert oder im erwachsenen Tier revertiert werden können (für letzteres gibt er als Beispiel parasitär lebende Crustaceen an, deren Embryonalform "komplexer" aufgebaut ist als die adulte Form). Zudem war ihm auch bewusst, dass auch frühe Entwicklungstufen neu entstehen könnten.

Ich gebe im Folgenden seine abschließende Bemerkungen zu diesem Unterkapitel wieder, weil es noch einmal verdeutlich, was Darwin aus der Untersuchung von embryonalen Formen schloss. Ich gebe den ganzen ziemlich langen Abschnitt wieder, hebe aber meiner Meinung nach besonders wichtige Passagen besonders hervor.
From the remarks just made we can see how by changes of structure in the young, in conformity with changed habits of life, together with inheritance at corresponding ages, animals might come to pass through stages of development, perfectly distinct from the primordial condition of their adult progenitors. Most of our best authorities are now convinced that the various larval and pupal stages of insects have thus been acquired through adaptation, and not through inheritance from some ancient form. The curious case of Sitaris—a beetle which passes through certain unusual stages of development—will illustrate how this might occur. [...] Now, if an insect, undergoing transformations like those of the Sitaris, were to become the progenitor of a whole new class of insects, the course of development of the new class would be widely different from that of our existing insects; and the first larval stage certainly would not represent the former condition of any adult and ancient form.
On the other hand it is highly probable that with many animals the embryonic or larval stages show us, more or less completely, the condition of the progenitor of the whole group in its adult state. In the great class of the Crustacea, forms wonderfully distinct from each other, namely, suctorial parasites, cirripedes, entomostraca, and even the malacostraca, appear at first as larvæ under the nauplius-form; and as these larvæ live and feed in the open sea, and are not adapted for any peculiar habits of life, and from other reasons assigned by Fritz Müller, it is probable that at some very remote period an independent adult animal, resembling the Nauplius, existed, and subsequently produced, along several divergent lines of descent, the above-named great Crustacean groups. So again it is probable, from what we know of the embryos of mammals, birds, fishes, and reptiles, that these animals are the modified descendants of some ancient progenitor, which was furnished in its adult state with branchiæ, a swim-bladder, four fin-like limbs, and a long tail, all fitted for an aquatic life.
As all the organic beings, extinct and recent, which have ever lived, can be arranged within a few great classes; and as all within each class have, according to our theory, been connected together by fine gradations, the best, and, if our collections were nearly perfect, the only possible arrangement, would be genealogical; descent being the hidden bond of connexion which naturalists have been seeking under the term of the Natural System. On this view we can understand how it is that, in the eyes of most naturalists, the structure of the embryo is even more important for classification than that of the adult. In two or more groups of animals, however much they may differ from each other in structure and habits in their adult condition, if they pass through closely similar embryonic stages, we may feel assured that they all are descended from one parent-form, and are therefore closely related. Thus, community in embryonic structure reveals community of descent; but dissimilarity in embryonic development does not prove discommunity of descent, for in one of two groups the developmental stages may have been suppressed, or may have been so greatly modified through adaptation to new habits of life, as to be no longer recognisable. Even in groups, in which the adults have been modified to an extreme degree, community of origin is often revealed by the structure of the larvæ; we have seen, for instance, that cirripedes, though externally so like shell-fish, are at once known by their larvæ to belong to the great class of crustaceans. As the embryo often shows us more or less plainly the structure of the less modified and ancient progenitor of the group, we can see why ancient and extinct forms so often resemble in their adult state the embryos of existing species of the same class. Agassiz believes this to be a universal law of nature; and we may hope hereafter to see the law proved true. It can, however, be proved true only in those cases in which the ancient state of the progenitor of the group has not been wholly obliterated, either by successive variations having supervened at a very early period of growth, or by such variations having been inherited at an earlier age than that at which they first appeared. It should also be borne in mind, that the law may be true, but yet, owing to the geological record not extending far enough back in time, may remain for a long period, or for ever, incapable of demonstration. The law will not strictly hold good in those cases in which an ancient form became adapted in its larval state to some special line of life, and transmitted the same larval state to a whole group of descendants; for such larvæ will not resemble any still more ancient form in its adult state.
Thus, as it seems to me, the leading facts in embryology, which are second to none in importance, are explained on the principle of variations in the many descendants from some one ancient progenitor, having appeared at a not very early period of life, and having been inherited at a corresponding period. Embryology rises greatly in interest, when we look at the embryo as a picture, more or less obscured, of the progenitor, either in its adult or larval state, of all the members of the same great class. [pp. 394-396]
Im engeren Sinn lag Darwin auch mit der Ähnlichkeit heutiger embryonaler Formen mit der adulten Form eines gemeinsamen Vorfahrens falsch. Die ancestrale Form einzelner Strukturen kann man u. U. aber durchaus am Embryo erkennen. Im anschließenden Unterkapitel zu rudimentären Formen gibt Darwin selbst einige Beispiele:
What can be more curious than the presence of teeth in fœtal whales, which when grown up have not a tooth in their heads; or the teeth, which never cut through the gums, in the upper jaws of unborn calves? [p. 397]
Bei all diesen Tieren kann man aufgrund der Embryonalform davon ausgehen, dass ihre Vorfahren Zähne hatten.

Ich habe hier den letzten Abschnitt in seiner Gänze wiedergegeben, weil er sehr schön zeigt, wie differenziert Darwin argumentiert und auch seine Skepsis gegenüber Agassiz deutlich wird, der die embryonic resemblance gleich als ein "Gesetz der Natur" verstanden wissen will.

[Quelle aller Zitate: Darwin, C. R. 1872. The origin of species by means of natural selection, or the preservation of favoured races in the struggle for life. London: John Murray. 6th edition; with additions and corrections. Eleventh thousand.]



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7 August 2008

Manchmal reicht auch ein Link (5).

Manch einer wird sich vielleicht noch an Terri Schiavo [Link zum englischen Wikipedia-Artikel, Link zu einer kurzen Zusammenfassung des Falls auf Deutsch] erinnern, einer Wachkoma-Patientin in den USA, die nach langer gerichtlicher Streiterei zwischen dem Ehemann (der eine Beendigung der künstlichen Ernährung befürwortete) und den Eltern (die dies strikt ablehnten) in 2005 schließlich sterben durfte.

Der Fall hat auch in Europa eine beträchtliche Medienaufmerksamkeit auf sich gezogen, in Deutschland beispielsweise löste Terri Schiavo Diskussionen um Sterbehilfe und den Umgang mit Patientenverfügungen aus.

Steven Novella vom NeuroLogica Blog beschäftigt sich, ausgehend von einem Artikel in Neurology, mit dem Umgang der Medien mit dem Fall. Die Untersuchung zeigte u. a., dass nur 1 % der Medienberichte den Zustand von Terri Schiavo korrekt als Wachkoma (persistent vegetative state, PSV, auf Englisch) wiedergaben oder erklärten, was es bedeutet, im Wachkoma zu liegen [links im Bild die Gegenüberstellung eines CT Scans eines gesunden Menschens (links) und von Terri Schiavo (rechts); die dunklen Bereiche sind mit Flüssigkeit gefüllt. Quelle: Wikipedia]. Über ein Fünftel der Berichte gaben (fälschlich) an, dass sich ihr Zustand verbessern könnte.
Wie Steven Novella meiner Meinung nach sehr richtig feststellt, kann man diese Form des Umgangs der Medien mit Wissenschaft auch in anderen Bereichen, die eine "politische" Dimension haben, immer wieder finden.

Mich hat das Post sofort an die Berichterstattung zu der Forschung an embryonalen Stammzellen erinnert. Wissenschaftliche Tatsachen werden verschwiegen, heruntergespielt oder falsch dargestellt, die Diskussion findet nicht auf der Basis von Fakten, sondern von Meinungen statt.

MfG,
JLT

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6 August 2008

The Origin of ... Genes.

Ein Post auf Uncommon Descent (ausgerechnet) hat mich an ein Thema auf meiner "Liste von Dingen, über die ich unbedingt was schreiben will (irgendwann, bestimmt...)" erinnert: Die molekularen Mechanismen der Entstehung neuer Gene und Genfunktionen.

Dazu gibt es eine hervorragende Zusammenfassung in Nature Reviews Genetics [1]. Die verschiedenen darin erwähnten Mechanismen der Entstehung neuer Genfunktionen sind die Folgenden:

Exon shuffling: Bei Eukaryoten sind die proteinkodierenden Abschnitte der Gene (Exons) von nicht-kodierenden Sequenzen, den Introns, unterbrochen. Exon shuffling ist die Neukombination von Exons verschiedener Herkunft, also aus verschiedenen Genen. Dies kann z. B. durch Crossing over, "ungenaue" Rekombination (d. h. es findet ein Austausch zwischen nicht homologen Bereichen des Genoms statt [siehe Abbildung hier; aus [2]) oder durch Retrotransposition (s. u.) geschehen.
Es wird angenommen, dass etwa 19 % aller Exons in eukaryotischen Genen schon einmal ein Exon shuffling "mitgemacht" haben.

Gen-Duplikation: Der wohl bekannteste Mechanismus, durch den neue Gene entstehen können, ist die Duplikation vorhandener Gene, mit einer anschließenden Diversifizierung einer der beiden Genkopien, wodurch neue Funktionen entstehen können. Ursache können wieder z. B. Retrotransposition (s. u.), nicht-homologe Rekombination oder Ablesefehler sein. Bei der Retrotranposition wird nur der Protein-kodierende Teil verdoppelt. Damit das "doppelte" Gen abgelesen werden kann, müssen an der Integrationsstelle genregulierende Elemente vorhanden sein. Schon allein durch eine von dem Ursprungsgen verschiedene Genregulierung können neue Genfunktionen entstehen.
Aber auch ganze Chromosomen-Abschnitte oder ganze Genome können verdoppelt werden. Bei Pflanzen ist die Verdoppelung ganzer Genome relativ häufig, bei den Angiospermen (den "blühenden" Pflanzen) entstehen etwa 2-4 % aller Arten auf diese Weise. Da sich Tiere in der Regel sexuell fortpflanzen und daher mindestens zwei Individuen mit verdoppeltem Genom vorhanden sein (und aufeinander treffen) müssen, um eine neue Art zu gründen, ist dies im Tierreich nicht so häufig, ist aber auch schon mehrfach vorgekommen [2].

Retrotransposition: Retrotransposons sind genomische Elemente (beim Menschen beispielsweise das sog. LINE-1- oder L1-Element; für die Häufigkeiten verschiedener Transposons siehe z. B. hier), die mindestens zwei Gene kodieren, eine Endonuklease (ein Enzym, dass doppelsträngige DNA schneiden kann) und eine Reverse Transkriptase (ein Enzym, das RNA in DNA umschreiben kann). Retrotransposons "vermehren" sich, in dem sie zunächst durch RNA-Polymerase II in RNA umgeschrieben werden. Die enthaltenden Protein-kodierenden Sequenzen werden ganz normal an Ribosomen in Aminosäuren "übersetzt", so dass die oben genannten Enzyme bereitstehen. Diese verbinden sich mit der L1-RNA, schreiben sie in DNA um und integrieren diese L1-DNA-Sequenz irgendwo im Genom. "Versehentlich" kann auch andere RNA, also auch die mRNA anderer exprimierter Gene (oder Teile davon, beispielsweise auch nur ein Exon) in DNA umgeschrieben und ins Genom integriert werden (für eine vereinfachte Abbildung siehe hier; aus [2]). Retrotransposition ist einer der Hauptursachen für Genduplikationen (die duplizierten Gene sind daran zu erkennen, dass sie keine Introns enthalten), aber auch für Exon shuffling, wenn nur ein Teil eines Gens in DNA umgeschrieben wurde und in ein anderes Gen integriert wurde.
Durch das L1-Element verursachte Retropositionen waren an der Entstehung von etwa 1 % des menschlichen Genoms beteiligt.

Mobile Elemente/Transposons: Transposons sind ebenfalls genetische Elemente ähnlich den Retrotransposons. Anders als diese kodieren sie keine Reverse Transkriptase. Transposons können sich an einer Stelle des Genoms ausschneiden und an anderer Stelle wieder integrieren. Wenn sie sich innerhalb eines Gens integrieren, können sie neue Exons bilden. Etwa 4 % aller neuen Exons im menschlichen Genom gehen auf Transposons zurück.

Lateraler/horizontaler Gentransfer: Gene werden von einen Organismus auf den anderen übertragen, beispielsweise durch Viren, Bakteriophagen, durch Plasmide oder durch Endoparasiten. Lateraler Gentransfer kommt besonders häufig bei Prokaryoten vor, ist aber auch schon bei Eukaryoten beobachtet worden. Beispielsweise wurde kürzlich entdeckt, dass der Endosymbiont Wolbachia fast sein gesamtes Genom auf seinen Wirt, Drosophila ananassae, übertragen hat [3].

Genfusion oder Genaufspaltung: Neue Gene können entstehen, wenn aus zwei Genen eins wird (beispielsweise, in dem das Stopcodon des "ersten" Gens durch Mutation zerstört wird und bis in das zweite "durchgelesen" wird. Seltener nachgewiesen ist die Aufspaltung eines Gens, d. h. es entstehen zwei kürzerer Gene.

De novo-Entstehung: Gene können aus nicht-kodierenden Sequenzen entstehen.

Alle diese Mechanismen der Genentstehung sind nachgewiesen und durch viele Beispiele belegt. Die neu entstandenen Strukturen unterliegen teilweise einer rasanten Evolution. Nach Genduplikationen wurde z. B. bei Drosophila eine mindestens zehnfach schnellere Veränderung der "neuen" Gensequenz verglichen mit der "Original"-Gensequenz festgestellt, Gleiches wurde auch im menschlichen Genom beobachtet [1].

Bisher ist man davon ausgegangen, dass eine "echte" De novo-Entstehung von Genen aus vorher nicht-kodierenden Sequenzen nur sehr selten vorkommt. Dies wurde aber nicht wirklich systematisch untersucht. Jetzt ist ein Artikel in Genome Research [4] erschienen, der sich des Themas angenommen und in verschiedenen Drosophila-Arten nach neu entstandenen Genfunktionen und Genen gesucht hat.

Das Abstract fast die Ergebnisse sehr schön zusammen:

Several mechanisms have been proposed to account for the origination of new genes. Despite extensive case studies, the general principles governing this fundamental process are still unclear at the whole genome level. Here we unveil genome-wide patterns for the mutational mechanisms leading to new genes, and their subsequent lineage-specific evolution at different time nodes in the D. melanogaster species subgroup. We find that, 1) tandem gene duplication has generated about 80% of the nascent duplicates that are limited to single species (D. melanogaster or D. yakuba); 2) the most abundant new genes shared by multiple species (44.1%) are dispersed duplicates, and are more likely to be retained and be functional; 3) de novo gene origination from non-coding sequences plays an unexpectedly important role during the origin of new genes, and is responsible for 11.9% of the new genes; 4) retroposition is also an important mechanism, and had generated approximately 10% new genes; 5) about 30% of the new genes in the D. melanogaster species complex recruited various genomic sequences and formed chimeric gene structures [Anm.: chimeric gene structures können beispielsweise aus Fusionen von kodierenden Regionen und Intronsequenzen zweier seperater Gene entstehen, eine Mischung aus Exon shuffling und Genfusion], suggesting structure innovation as an important way to help fixation of new genes; and 6) the rate of the origin of new functional genes is estimated to be 5 to 11 genes per million years in the D. melanogaster subgroup. Finally, we survey gene frequencies among 19 strains from all over the world for D. melanogaster-specific new genes, and reveal that 44.4% of them show copy number polymorphisms within population. In conclusion, we provide a panoramic picture for origin of new genes in Drosophila species.
Wirklich überraschen ist der hohe Anteil an neuen Genen, die wirklich de novo entstanden sind: fast 12 %! Wo das doch laut IDlern völlig unmöglich ist...

MfG,
JLT



[1] Long et al. (2003). The Origin of new genes: glimpses from the young and old. Nature Review Genetics 4: 865-875.

[2] Barton et al. (2007). Evolution. Cold Spring Harbor Laboratory Press.

[3] Hotopp et al. (2007). Widespread lateral gene transfer from intracellular bacteria to multicellular eukaryotes. Science 317: 1753-1756

[4] Zhou et al. (2008). On the origin of new genes in Drosophila. Genome Research, published online Jun 11, 2008 [doi:10.1101/gr.076588.108]

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2 August 2008

Nicht viel Zeit.

Gerade mache ich einen recht aufwendigen Versuch und muss auch das Wochenende durch arbeiten, darum ist es momentan so ruhig hier. Damit ihr nicht ganz umsonst vorbeischaut, ein paar Links:

- PZ hat ein Post zu einem Artikel zur Evolution der Fang-/Giftzähne von Schlangen.
Viele Schlangen haben ihre Fangzähne hinten im Kiefer, manche aber auch im Vorderkiefer, letztere sind aber nicht phylogenetisch gruppiert, so dass man bisher annehmen musste, es handelte sich um parallele Evolution. Die Autoren des Artikels, den PZ bespricht [Vonk et al. (2008). Evolutionary origin and development of snake fangs. Nature 454: 630-633], haben sich nun die embryologische Entwicklung von Schlangen aus verschiedenen Gruppen angeschaut, um herauszufinden, ob das wirklich zutrifft. Es zeigt sich, dass bei allen Schlangen die Fangzähne während der Embryonalentwicklung hinten im Kiefer angelegt werden und erst später in einigen Schlangenarten nach vorne wandern. Während sich bei ursprünglichen Schlangenarten wie den Boas, die nur einen Zahntyp haben (keine Fangzähne), die ganze Zahnreihe in "einem Stück" entwickelt, sind daraus bei den modernen Schlangen zwei "Stücke" geworden, die sich unabhängig voneinander entwickeln. Die Fangzähne und auch die Giftdrüsen bilden sich immer im hinteren Teil, unabhängig davon, wo bei der erwachsenen Schlange die Fangzähne sitzen. Manche Schlangen wie die Vipern haben den vorderen Teil dieses embryologischen "Zahnbandes" ganz verloren, so dass die Fangzähne nach vorne wandern können, während bei Nattern beide Teile vorhanden sind und sie dementsprechend die Fangzähne im hinteren Kieferbereich bilden.
Die Embryonalentwicklung der Zähne verfolgten die Autoren u. a. anhand der Expression eines Gens, das eine Rolle bei der Zahnentwicklung spielt, aber auch an vielen anderen Vorgängen beteiligt ist: Sonic hedgehog (Shh). Die verschiedenen Funktionen dieses Gens stellt PZ in einem Folgepost vor, auch sehr lesenswert.

- Wem Matt Taibbis Artikel über seinen Undercover-Einsatz bei einem Erweckungswochenende gefallen hat, dem sagt wahrscheinlich auch dieser Artikel von ihm zu: 'If Cheney & co. had really plotted the 9/11 attacks...'. Wie der Titel schon vermuten lässt, macht er sich darin über die 9/11-Verschwörungstheoretiker lustig. Auch sehr gelungen!

- Der Po8 entwickelt eine gewagte Hypothese zu menschlichen Parasiten...

- Evolving Thought beantwortet ein für alle mal die Frage: 'Why are there still monkeys?'. Noch interessanter allerdings sind seine Ausführungen im gleichen Post darüber, ob unsere Vorfahren jemals "Monkeys" waren.

- Zum Schluss noch ein Aufreger: Die Süddeutsche propagiert Impfhysterie. Haben die noch alle Tassen im Schrank? [Nachtrag: Dazu passt ganz hervorragend des Po8en Wort zum heutigen Sonntag, Thema ist nämlich 'Warum "Impfkritiker" eher "Krankheitsgläubige" heißen müssten.']

MfG,
JLT

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28 July 2008

Keine Schöpfungslehre an Zürcher Schulen.

Hui, in der Schweiz scheinen die Kreationisten doch um einiges aktiver zu sein als z. B. in Deutschland, wenn auch ohne Erfolg:

In Zürichs Schulen sollen Evolutionstheorie und Schöpfungslehre nicht gleichwertig nebeneinander behandelt werden. Die Kantonsregierung lehnt ein entsprechendes Postulat von drei Kantonsparlamentariern der Eidgenössisch-Demokratischen Union (EDU) entschieden ab.
[Quelle: Jesus.ch]

Vielleicht kann mich einer meiner Schweizer Leser aufklären: Was ist denn die EDU für ein Verein? Gibt es von denen noch mehr Bestrebungen, Kreationismus in den Schulunterricht zu bekommen?

MfG,
JLT


Nachtrag 29.07.08: Andreas hat einen ausführlicheren Beitrag dazu: 'Nur ein wenig Schöpfungslehre für Zürcher Schulen' (außerdem ist er pessimistischer als ich, wie man schon am Titel sieht...).

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21 July 2008

Mal was anderes...

Ludmila von Hinterm Mond gleich links hat ein Post zur Wissenschaftskommunikation geschrieben, 'Wissenschaftskommunikation: Glaubwürdigkeit und ideale Wissenschaftler'.

Darin sagt sie unter anderem dies:

Deswegen sollte sich ein Wissenschaftler nie in der Öffentlichkeit - Blogs zähle ich durchaus dazu - aufregen oder ausfallend werden, selbst wenn es menschlich mehr als verständlich ist. Ich kann mir denken "xyz ist ein Idiot", nur sagen darf ich es nicht.
Ich bin zwar generell Ihrer Meinung, denke aber, dass es Ausnahmen gibt, in denen man, wenn schon nicht den Verfasser eines Arguments, so doch wenigstens das Argument selbst idiotisch nennen darf.

Gell, das überrascht Euch jetzt.

Meine Begründung habe ich in einem Kommentar bei Ihr hinterlassen (ich hoffe, er wird bald freigeschaltet), Eure Meinung dazu würde mich natürlich auch interessieren.

MfG,
JLT

[Nachtrag 24.07.08: Ludmila hat noch ein Post zu dem Thema nachgelegt, in dem sie ihre Aussagen aus dem ersten relativiert: 'Wissenschaftskommunikation: Wissenschaftler sind auch nur Menschen'. Dem kann ich doch nur zustimmen ;)]

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