3 September 2007

Mach's mit.

Das finde ich nun doch sehr überraschend. Wirklich.

[Bild-Quelle: TimesOnline; Klicken zum Vergrößern]

Dass die Deutschen im internationalen Vergleich angeblich relativ konsequent sind, was die Verwendung von Kondomen angeht und (folglich) auch die durchschnittliche Rate von Neuinfektionen mit sexuell übertragbaren Krankheiten (ohne HIV-Infektionen) verhältnismäßig niedrig ist, finde ich noch verständlich. Ich schätze, die Aufklärung über Kondome ist in Deutschland recht gut.

Aber nur durchschnittlich sechs verschiedene Sexpartner? Genauso viele wie die Spanier und Polen und Malaien (oder ist das nur die Volksgruppe und die Einwohner heißen Malaysienser...)? Halb so viele wie die Iren (die Iren? Hallo? Die heiraten hier alle schon mit 23 und über einen Kollegen habe ich gehört, dass viele Frauen es mit dem Katholisch sein recht ernst nehmen), die Italiener und die Schweden (das glaube ich irgendwie).
Und die meisten Sexpartner haben nach diesem Chart die Türken. Durchschnittlich über 14? Ob da mal nicht der Wunsch der Vater des Gedanken war. Ist ja immer die Krux mit Umfragen, es zwingt Dich ja keiner, tatsächlich auch die Wahrheit zu sagen. Ich meine, 14? Durchschnittlich?
Ok, in Island haben die vor allem im Winter wahrscheinlich nichts anderes zu tun und in Neuseeland gibt's so viele Schafe... Hmmm. Irland? Neeeiiiinnn, das nehme ich natürlich alles sofort wieder zurück.

Ich habe mir, bevor ich dieses Chart gesehen habe, noch nie darüber Gedanken gemacht, wie viele verschiedene Sexpartner die Deutschen (oder sonst eine Nation) wohl haben, und hätte mir jemand ohne einen Vergleich gesagt, es sind sechs - warum nicht. Aber das wir damit international so weit "hinten" liegen (will das gar nicht werten), hätte ich nicht gedacht.

Man lernt nie aus.

MfG,
JLT

3 Kommentare:

Waffram said...

Nun. Das Diagramm unterscheidet ja nicht nach Geschlechtern und sexuellen Vorlieben, sowie Altersstruktur der Bevölkerung, sowie das Verhältnis von Stadt zu Landbevölkerung. Was einige Diskrepanzen erklären könnte. In dem Zusammenhang erinnere ich mich an einen Artikel aus Spiegel-Online vor Jahren (sollte ich den wiederfinden, reiche ich ihn nach). Darin ging es um ein Experiment zur geschlechtsspezifischen Promiskuität.
Befragt (anonym) wurden amerikanische Studenten nach der Zahl ihrer Sexualpartner. Es fanden zwei Durchgänge statt. In der zweiten Befragung wurde den Studenten gesagt, sie seien an einen Lügendetektor angeschlossen, was dazu führte, dass die Herren ihre Zahlen deutlich nach unten korrigierten. Und die Damen nach oben. (interessant ist, dass beide Geschlechter logen, obwohl eine Entdeckungsgefahr nicht bestand).
Das Fazit: Man sollte sich zweimal überlegen, ob man Iren und Türken Geld leiht...

Und dann stellt sich noch die Frage nach der Relevanz dieser („Deiner“) Studie. 317000 Befragte in 41 Ländern ist nicht viel. Wären in allen Länder gleich viele Befragte vertreten, hieße das für Irland 7731 aus einer Bevölkerung von ca. 4109000 – oder 0,2% . Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass so viele Iren teilgenommen haben, wie z. B. Deutsche (in absoluten Zahlen)? Genau. Die Gefahr einen statistischen Fehlgriff zu tun halte ich da für relativ hoch.

Interessant ist die aber Gegenüberstellung Norwegen/Irland: Die Norweger sind überwiegend protestantisch die Iren katholisch bei annähern gleicher Bevölkerungszahl. Die Konfession hat also eher weniger Einfluss auf die Promiskuität (schlecht für den Pabst), genau wie auf die (mangelnde) Neigung Verhütungsmittel zu benutzen (gut für den Pabst).

JLT said...

@ waffram:

Und dann stellt sich noch die Frage nach der Relevanz dieser („Deiner“) Studie. 317000 Befragte in 41 Ländern ist nicht viel. Wären in allen Länder gleich viele Befragte vertreten, hieße das für Irland 7731 aus einer Bevölkerung von ca. 4109000 – oder 0,2% . Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass so viele Iren teilgenommen haben, wie z. B. Deutsche (in absoluten Zahlen)? Genau. Die Gefahr einen statistischen Fehlgriff zu tun halte ich da für relativ hoch.

Ach, so ganz ernst sollte man diese Umfrage soundso nicht nehmen. Auf der Durex-Seite sagen sie, sie hätten die Ergebnisse nach Geschlecht und Alter analysiert. In wie weit das aber in ihre Analyse eingegangen ist, keine Ahnung.

Prinzipiell reichen, wenn man eine repräsentative Stichprobe einer Bevölkerung nimmt, verhältnismäßig wenige Befragte aus, um statistisch aussagekräftige Antworten zu bekommen (bei Deutschland sind das etwa 1000 Befragte). Aber ich gehe nicht davon aus, dass die Durex-Leute das getan haben, das sieht mir eher nach einer Online-Befragung aus, womit höchstwahrscheinlich jüngere Menschen in urbanen Gebieten (wo Internetanschluss wahrscheinlicher ist) überrepräsentiert sind.

Um die Ergebnisse zwischen Ländern tatsächlich vergleichen zu können, hätte man die Ergebnisse auch nach Altersgruppen darstellen müssen. Also wieviele durchschnittliche Sexualpartner hatte ein 25-30-jähriger in dem entsprechenden Land etc.

Aber die Umfrage ist mMn auch mehr darauf angelegt, Aufmerksamkeit auf Gefahr sexuell übertragbarer Krankheiten zu richten und natürlich darauf, dass Kondome dagegen schützen (Auftraggeber ist schließlich Durex).

Aber amüsant fand ich sie trotzdem.

Die gesamte Umfrage kann man sich bei Durex runterladen.

SPARC (Martin Hafner) said...

Ein Post zu einer ähnlichen Veröffentlichung war letztlich auch auf Pure Pedantry, wobei es aber eher um die Frage ging, ob sich die Werte für Männer und Frauen in einer Population unterscheiden können.