18 September 2007

Gott wegen terroristischer Akte auf Unterlassung verklagt.

In Amerika, genauer in Lincoln, Nebraska, ist ein State Senator namens Ernie Chambers verärgert über die Vielzahl von Klagen, die bei Gericht eingereicht werden, offensichtlich, ohne eine stichhaltige Grundlage aufzuweisen. Die Gerichte müssen sich mit diesen Klagen aber natürlich trotzdem erstmal beschäftigen. Dies wird in Amerika dadurch erleichtert, dass sozusagen jeder jeden wegen allem verklagen kann, Beispiel dafür ist die Frau, die McDonalds verklagt hat, nachdem sie sich mit deren Kaffee verbrüht hatte, weil sie keine Warnung auf ihren Bechern hatten. Sie bekam 2,9 Mio. Dollar zugesprochen. Letzteres ist wahrscheinlich auch der Grund, warum in Amerika tatsächlich jeder jeden wegen allem verklagen will. Im unwahrscheinlichen Fall, dass man damit durchkommt, besteht die Chance auf einen Riesen Berg von Geld.

Der tatsächliche Auslöser war aber ein anderer. In einem Gerichtsverfahren wegen einer Vergewaltigung hat ein Richter festgelegt, dass die Zeugen die Worte "Vergewaltigung" und "Opfer" nicht verwenden dürfen. Soweit ich das verstehe, ist es in Amerika durchaus üblich, während der Verhandlung zu untersagen, dass vorverurteilende Bezeichnungen verwandt werden (haben wir doch alle schon mal in amerikanischen Filmen gesehen: Selbst wenn das Opfer der Tote mit Schusswunden, einem Messer in der Brust und in Stücke geschnitten aufgefunden wurde, wird von einem ungeklärtem Todesfall gesprochen und nicht von Mord, um die Geschworenen nicht in die eine oder andere Richtung zu beeinflussen). Jetzt hat die Anklage in dem Fall den Richter deswegen verklagt, eine Klage ohne jede Aussicht auf Erfolg (das Verfahren hat einige Medienaufmerksamkeit bekommen, die Klage wurde möglicherweise eingereicht, um diese noch zu vergrößern).

Um auf diesen Missstand aufmerksam zu machen, hat Senator Chambers Gott verklagt, auf permanente Unterlassung der Durchführung terroristischer Akte und der Androhung derselben.

Die Klageschrift ist online als .pdf erhältlich. Ein paar relevante Ausschnitte hier:

Nature of the case

This action seeks a permanent incunction ordering Defendant [Anm.:Gott] to cease certain harmful activities and the making of terroristic threats.
Identifizierung des Angeklagten:
3. Defendant (also known by various aliases, titles, names, designations) is present in all places at the same time ("Omnipresent"); ist he admitted perpetrator of the deleterious acts complained of herein.
Lincoln, Nebraska, ist als Gerichtsort zulässig, da Gott omnipräsent ist, also auch in Nebraska, außerdem sind auch selbsternannte Repräsentanten dort zu finden:
5. Defendant is present in Douglas County by and through putative agents, representatives, spokespersons (hereinafter "agents") of various religous denominations, persuasions, cults and the like, who publicly and notoriously hold themselves out to be agents of Defendant who are authorized to speak for and represent Defendant.
Es gibt einige Probleme, diese "Bevollmächtigten" zu identifizieren, da sie verschiedenen, sich gegenseitig widersprechenden und untereinander verfeindeten Gruppen angehören. Auch dem Angeklagten konnte die Anklageschrift nicht persönlich überreicht werden, obwohl einige Anstrengungen unternommen wurden.
14. Plaintiff [Anm.: Der Kläger], despite reasonable efforts to effectuate personal service upon Defendant ("Come out, come out, wherever you are) has been unable to do so.
Das sollte aber kein Problem darstellen, da der Angeklagte nicht nur omnipräsent, sondern auch allwissend sei, so dass der Regel, dass der Angeklagte über die Klage informiert sein muss, genüge getan ist.

Die Anklagepunkte sind u. a.:
18. Defendant has made and continues to make terroristic threats of grave harm to innumerable persons, [...]

19. Defendant directly and proximately has caused, inter alia, fearsome floods, egregious earthquakes, horrendous hurricanes, terrifying tornados, pestilential plagues, ferocious famines, devastating drouths, genocidal wars, birth defects, and the like.

20. Defendant has made admissions against Defendant's own interest to various handpicked, trusted chroniclers of yore regarding the making of terroristic threats and the causing of calamitous catastrophes resulting in the widespread death, destruction and terrorization of millions of the Earth's inhabitants including innocent babies, infants, children, the aged and infirm without mercy and distinction.
Und nicht nur das! Dann hat der Angeklagte auch noch angeordnet, dass das Ganze niedergeschrieben wird,
[...] in order to inspire fear, dread anxiety, terror and uncertainty, in order to coerce obedience to Defendant's will.

22. Defendant has manifested neither compassion nor remorse, proclaiming that Defendant "will laugh" when calamity comes.

26. The hereinbefore identified and decribes deleterious behavior and terroristic threats have resulted, and continue to result, in pecuniary loss, fear, anxiety, terror, stress, uncertainty, depression, suicide, and the like.
Die Anschuldigungen seien, so die Anklageschrift weiter, glaubhaft, wenn man sich die Geschichte und das Verhalten des Angeklagten in der Vergangenheit anschaue.

Ein möglicher Punkt, an dem die Verteidigung ansetzen könnte, ist, die Bibel als Beweismittel nicht zuzulassen, da sie nur Hörensagen enthält. Dies ist aber nur möglich, solange keiner der selbsternannten Bevollmächtigten die Bibel als tatsächliches Wort Gottes bestätigt. Ich schätze, die Ankläger haben einen Fall...

Fragt sich nur, wem Gott schwören sollte, die Wahrheit zu sagen und nichts als die Wahrheit, wenn er tatsächlich vor Gericht erscheinen sollte.

MfG,
JLT

4 Kommentare:

Waffram said...

Fragt sich nur, wem Gott schwören sollte, die Wahrheit zu sagen und nichts als die Wahrheit, wenn er tatsächlich vor Gericht erscheinen sollte.

Das ist einfach zu beantworten. Da Gott allwissend ist, glaubt Gott nicht an Gott, woraus folgt: Gott ist Atheist. Als solcher kann er zweifellos die in den USA gebräuchliche Variante von „An Eides statt“ verwenden.

Aber: ist eine Verurteilung wirklich wünschenswert? Einem Schuldspruch würden sich zweifelsfrei zivilrechtliche Klagen anschließen. Die kumulierte Schadenssumme wäre astronomisch! Leider ist Gott als solcher auch omnipotent, verfügt also über unbegrenzte Finanzmittel. Die Begleichung der Forderungen hätte eine weltweite Hyperinflation zur Folge.

JLT said...

Die Begleichung der Forderungen hätte eine weltweite Hyperinflation zur Folge.

Aber nur, wenn er wirklich auftauchte. Bisher war er aber ganz gut im Verstecken.

Anti-Kreationist said...

"Fragt sich nur, wem Gott schwören sollte, die Wahrheit zu sagen und nichts als die Wahrheit, wenn er tatsächlich vor Gericht erscheinen sollte."

Seinem Schöpfer eben.

Falls Gott Atheisten hasst, und davon sind ja die Fundis überzeugt, muss er selbst tiefreligiös sein und darf seine Herkunft nicht dem "blinden Zufall" verdanken. Selbstverständlich kann der Schöpfer des Schöpfers abermals kein evolutionäres Zufallsprodukt sein, sondern verdankt seine Existenz einer Übernatur 3. Ordnung,...

SPARC (Martin Hafner) said...

Zwischenzeitlich soll sich Gott gemeldet haben:
http://www.action3news.com/global/story.asp?s=7100749