2 September 2007

"Framing" zum Zweiten.

Während ich in meinem letzten Post die "offizielle" Framing-Debatte wiedergegeben habe, möchte ich in diesem auf die Diskussion hinweisen, die gerade in einigen Blogs stattfindet.

Mooney, der zweite Autor des ursprünglichen Science-Artikels, weist - wahrscheinlich nicht ganz zufällig - mehr oder weniger zeitgleich mit der Veröffentlichung der Reaktionen auf diesen in Science in seinem Blog auf die Analyse einiger Umfrageergebnisse hin.

So here's my contribution: I merely wish to point out a good analysis of polling data over at Pew that strongly supports the broad Nisbet perspective. The gist: The American public doesn't generally perceive a necessary conflict between religion and science; but if you tell them there is such an either-or conflict, guess which one of the binary options they're gonna choose?

Yeah, that's right. White-beard-in-the-sky-guy--or some variation thereon.
Die Umfrageergebnisse geben einerseits die für Amerika schon bekannten Zahlen wieder, was die Akzeptanz von Evolution als Tatsache angeht. Interessant sind aber die Zahlen, die das Verhältnis von Religion und Wissenschaft betreffen.
Interestingly, many of those who reject natural selection recognize that scientists themselves fully accept Darwin's theory. In the same 2006 Pew poll, nearly two-thirds of adults (62%) say that they believe that scientists agree on the validity of evolution. [...]

When asked what they would do if scientists were to disprove a particular religious belief, nearly two-thirds (64%) of people say they would continue to hold to what their religion teaches rather than accept the contrary scientific finding, according to the results of an October 2006 Time magazine poll. Indeed, in a May 2007 Gallup poll, only 14% of those who say they do not believe in evolution cite lack of evidence as the main reason underpinning their views; more people cite their belief in Jesus (19%), God (16%) or religion generally (16%) as their reason for rejecting Darwin's theory.

This reliance on religious faith may help explain why so many people do not see science as a direct threat to religion. Only 28% of respondents in the same Time poll say that scientific advancements threaten their religious beliefs. These poll results also show that more than four-fifths of respondents (81%) say that "recent discoveries and advances" in science have not significantly impacted their religious views. In fact, 14% say that these discoveries have actually made them more religious. Only 4% say that science has made them less religious.
Das Fazit ist also, dass die Mehrzahl der Leute die Evolutionstheorie nicht deswegen nicht akzeptieren, weil sie die Fakten nicht kennen, die Belege nicht für ausreichend halten oder glauben, dass die Frage unter Wissenschaftlern noch nicht entschieden ist, sondern weil sie ihren Glauben über die Fakten stellen.

Aber in wie weit unterstützt das Nisbets Argument?

Vielleicht würde die Prozentzahl der Leute schrumpfen, die Wissenschaft als Bedrohung ihres Glaubens wahrnehmen (28 %), würden Wissenschaftler Nisbets Vorgaben folgen. Aber das würde doch keinen Deut daran ändern, in wie weit sie Evolution akzeptieren. Diesen Menschen sind die Fakten offensichtlich egal! Sie sagen selbst (jedenfalls 64 % von ihnen), dass sie an ihren religiösen Überzeugungen festhalten, selbst wenn diese wissenschaftlich widerlegt sind. Nur 14 % nennen als Grund, warum sie Evolution nicht akzeptieren, es gäbe zu wenige Belege.

Für diese Haltung gibt es nur eine Bezeichnung: sie ist irrational.

Da kann ich Evolution "framen" wie ich will - egal wie viele positive Aspekte ich herausstelle, deswegen wollen diese Menschen trotzdem nicht hören, dass Menschen und Affen gemeinsame Vorfahren haben und wollen auch weiterhin nicht, dass es ihre Kinder in der Schule hören. Die Leute sind ja nicht so blöd und vergessen das einfach mal.

Menschen hingegen, die Evolution und Evolutionstheorie akzeptieren und das in irgendeiner Form mit ihrem Glauben in Übereinstimmung gebracht haben, und, wenn sie Amerikaner sind, die Trennung von Kirche und Staat befürworten, werden doch diese Einstellungen nicht über den Haufen werfen, weil einige wenige Wissenschaftler eine ihnen unangenehme Meinung haben und diese auch vertreten. Vielleicht gefällt ihnen nicht, was Dawkins und Co. sagen, aber höchstwahrscheinlich gefällt es ihnen auch nicht, was Ken Ham sagt (der Gründer des sog. Creation-"Museums", in dem Dinosaurier zusammen mit Adam und Eva im Paradies dargestellt werden etc.). Nach Nisbets Argumentation müssten die Ken Hams dieser Welt die ganzen moderaten Christen Richtung Atheismus treiben. Das ist doch Blödsinn.

Jason Rosenhouse vom EvolutionBlog hat eine ausführlichere Analyse dazu, zudem verlinkt er auf seine Zusammenfassung der Framing-Debatte, die einen anderen Aspekt betont, den ich in meiner Zusammenfassung nicht so sehr angesprochen habe. Auch die Kommentare dazu sind sehr lesenswert. Einer der Kommentare spricht etwas an, der auf den Punkt bringt, warum mir das Nisbet-Argument nicht gefällt:
I don't see why there can't be more than one 'frame' that is put out there. We might only have one policy: don't teach ID in schools. However we can have multiple messages designed to reach multiple audiences, moderates included. Nothing precludes this, and I distrust people who are focused on message control.
Nisbet möchte Wissenschaftlern vorschreiben, wie sie was sagen. Bestimmte Meinungen sollen nicht geäußert werden, weil sie "der Sache schaden". Genau das passt mir nicht in den Kram.

Auch auf Pharyngula wird zu dem Thema gestritten, einmal direkt im Zusammenhang mit Mooney/Nisbet, einmal an einem mehr oder weniger konkretem Beispiel (Wie sollen Parkranger in Kentucky mit den Leuten umgehen, die auch das o. g. Creation-"Museum" besucht haben und nun eine Führung durch den Nationalpark mitmachen und die wissenschaftlichen Erklärungen anzweifeln?).

Auch zu dem Thema passt 'Ein offener Brief an die Herren Dawkins, Dennett, Harris und Hitchens' von Michael Shermer*, der ebenfalls eine eher Nisbetsche Linie vertritt und 'Dawkins hat Recht' bei den Brights mit eine Antwort drauf.

MfG,
JLT


* Michael Shermers Beitrag ist der neueste aus einer Reihe zu dem Thema "Die neuen Atheisten". Links zu weiteren Beiträgen u. a. von Dawkins, Harris, Hitchens gibt es unter dem verlinkten Shermer-Artikel.

1 Kommentare:

Vadim said...

Vielleicht noch ein link zu einem kurzen Video, was lustig ist und auch mit dem Thema in Zusammenhang steht:
http://www.youtube.com/watch?v=-_2xGIwQfik