31 March 2008

EXPELLED: "Intelligent design, the pseudoscientific, inbred second-cousin of biblical creationism"

Comic actor and game show host Ben Stein isn’t at all happy, according to the trailers for his spurious-looking new documentary, Expelled: No Intelligence Allowed, in which he berates in overheated, lachrymose and rhetorically manipulative ways the American academic establishment’s reluctance to recognise intelligent design, the pseudoscientific, inbred second-cousin of biblical creationism, for which Expelled offers straightforward propaganda.
The Guardian

Letzte Woche habe ich über den unglaublich absurden und hochkomischen Zwischenfall bei einer Vorabschau zu dem Film "Expelled - No Intelligence allowed" (Link: www.expelledthemovie.com) geschrieben, einem Film, der eine angebliche Unterdrückung von ID-Befürwortern durch eine böse darwinistische Wissenschaftlerverschwörung "aufdecken" will - und bei der einer der für den Film unter einem falschen Vorwand interviewten Wissenschaftler, PZ Myers, nicht hereingelassen, "expelled", wurde (während sein Gast, Richard Dawkins, offenbar unerkannt das Kino betreten durfte).

Da ich im Urlaub war, ist es bei der einen Erwähnung geblieben. Aber die ganze Geschichte des Films und auch die Nachwehen dieses Vorfalls sind es wert, doch noch einmal genauer beleuchtet zu werden. Auch wenn der Film wohl niemals außerhalb von Amerika in die Kinos kommen wird, ist das Vorgehen der Produzenten des Films und seiner Werbetrommelrührer so bezeichnend für das generelle Verhalten Pro-ID-Propagandisten, es ist ein wahres Lehrstück. Da es mir unmöglich ist, mich kurz zu fassen, werde ich meine Bemerkungen dazu auf ein paar Posts verteilen.

Der Inhalt des Films

Ich habe den Film natürlich nicht gesehen, aber ausgehend von Trailern auf www.expelledthemovie.com, einer Anzahl von Reviewen (Links zu einigen gibt es bei Expelled Exposed) oder dieser Zusammenfassung von Josh Timonen, versucht der Film drei Punkte zu machen:

+ ID-Befürworter werden vom wissenschaftlichen "Establishment" unterdrückt.
+ Das Lehren der Evolutionstheorie führt zu Atheismus.
+ Ohne Darwin hätte es den Holocaust nie gegeben (außerdem auch keine Eugenik, Stalin, Abtreibungen, ...).

Durch den Film führt der von jeglicher Kenntnis von Evolution im Besonderen und Wissenschaft im Allgemeinen völlig unbeleckte Ben Stein, der in Europa höchstens wegen seines Auftritts als Lehrer in dem Film "Ferris macht Blau" bekannt ist, in Amerika aber offenbar etwas mehr Prominenz hat, beispielsweise als ehemaliger Redenschreiber für Nixon und als Gameshowhost.


+ ID-Befürworter werden vom wissenschaftlichen "Establishment" unterdrückt

Nicht. In dem Film werden einige Personen interviewt, die ihren Angaben zufolge wegen ihrer Befürwortung von ID ihren Job verloren haben. Darunter sind z. B. Richard Sternberg und Caroline Crocker.
Richard Sternberg hat als Editor der Proceedings of the Biological Society of Washington, einem taxonomischen Journal, das mit der Smithsonian Institution verbunden ist, einen Artikel von Stephen C. Meyer, Programmdirektor des Discovery Institute, veröffentlichen lassen, wobei er den normalen Review-Prozess bequemerweise hat ausfallen lassen, wie die Proceedings später veröffentlicht haben:
The paper by Stephen C. Meyer, "The origin of biological information and the higher taxonomic categories," in vol. 117, no. 2, pp. 213-239 of the Proceedings of the Biological Society of Washington, was published at the discretion of the former editor, Richard v. Sternberg. Contrary to typical editorial practices, the paper was published without review by any associate editor; Sternberg handled the entire review process. The Council, which includes officers, elected councilors, and past presidents, and the associate editors would have deemed the paper inappropriate for the pages of the Proceedings because the subject matter represents such a significant departure from the nearly purely systematic content for which this journal has been known throughout its 122-year history.
Sternberg behauptete, er wäre in Folge dieser Ereignisse vom Smithsonian, wo er Research Associate war, aufgrund seiner Pro-ID-Position unterdrückt und diskriminiert worden (und hat nicht etwa seinen Job verloren; Sternberg war zu dem Zeitpunkt und ist auch immer noch, beim NIH angestellt. Auch die unbezahlte Stelle eines Research Associate am Smithsonian hat er weiter behalten und sein Vertrag wurde 2006 noch einmal um drei Jahre verlängert). Behauptungen, die Sternberg aufstellte, wie Entzug seines Büroplatzes, Einschränkung seiner Zugangsberechtigung am Smithsonian etc. sind unbelegt und werden von Mitarbeitern des Smithsonian öffentlich und vehement bestritten, beispielsweise von Jonathan Coddington, nachzulesen beim Panda's Thumb.

Wie der "Fall Sternberg" (man siehe auch die Stellungnahme der AG Evolutionsbiologen [.pdf] dazu) als Nachweis eines Ausschluss von ID-Befürwortern aus dem Wissenschaftsbetrieb dienen soll, ist mir völlig schleierhaft. Jemand umgeht in seiner Eigenschaft als Editor den (normalen) Review-Prozess, um einen (schlechten) Artikel seines Kumpels zu veröffentlichen, dafür wird er zu Recht kritisiert, aber weitere Folgen hat es nicht für ihn (seinen Job als Editor hatte er selbst vor der Veröffentlichung schon niedergelegt, die Ausgabe in der der Artikel erschien, war die Letzte, die er mit zu verantworten hatte) - und das zeigt Diskriminierung oder Einschränkung der der akademischen Freiheit?

Caroline Crocker wiederum, um noch den zweiten Fall kurz anzureißen, war eine Collegeprofessorin, deren Vertrag nicht verlängert wurde. Sie behauptet, dies wäre in ihrer Befürwortung von ID begründet. Tatsächlich hat Crocker in ihren Stunden zur Evolutionstheorie auch ID erwähnt.



Sie behauptet:
I was so careful when I wrote that lecture not to be partial in any way. I was very careful to make sure that I would talk about point by point the evidence that the book would put forward for evolution and then talk about point by point the experiments and say “Well, you know, there’s a problem here.
Unglücklicherweise für sie sind die Powerpoint-Folien, die sie für ihre Vorlesung verwendete, im Internet veröffentlicht worden. Bei Tiny Frog findet sich eine wunderbare Gegenüberstellung einiger dieser Folien und der "Berichterstattung" des DiscoInstitutes und anderer Propagandamaschinen zu dem Vorfall, ich bringe hier nur zwei Folien, um die "unparteiische" und "ehrliche" Art und Weise zu zeigen, wie Crocker die "Beweise für und gegen die Evolutionstheorie dargestellt hat: Die Folie zu Darwin ein eindeutiges ad hominem, die andere zuÜbergangsformen ebenso eindeutig gelogen.



Dazu reicht es schon, bei Wikipedia zu Archaeopteryx nachzuschauen. Es gibt alleine sieben hervorragend dokumentierte vollständige Archaeopteryx-Fossilien (mehr zu Archaeopteryx bei Talk Origins) und die Behauptungen, die Federn der Fossilien wären Fälschungen, sind umfassend wiederlegt. Archaeopteryx wird zu den Vögeln gerechnet, WEIL diese Tiere Federn haben - unbestreitbar ist aber, dass sie auch Reptilienmerkmale haben.

Auf der gleichen Folie zu behaupten, die Tiere wären Vögel ohne Reptilienmerkmale ("Reptobird" ist im Übrigen eine komplett unwissenschaftliche Bezeichnung, die Crocker sich anscheinend selbst ausgedacht hat) und dann auf die Fälschungsvorwürfe anzuspielen, die DIE FEDERN als gefälscht bezeichneten und damit Archaeopteryx als "nur" Dinosaurier einordnen wollten, ist alleine schon so hochgradig bescheuert, dass ich mich frage, ob sie jemals irgendetwas abseits von Chicktracts zu Dinosauriern gelesen hat. Tatsächlich hätte es schon gereicht, Answers in Genesis zu lesen, um zu wissen, dass beide Aussagen falsch sind (und der verlinkte Artikel ist von 2000)... und auch der Rest der Folie ist BS.

Ist sie aber wegen ihrer Unfähigkeit, Folien zusammenzustellen, die nicht in jedem Satz eine Falschaussage enthalten, gefeuert worden? Nein. Ihr Vertrag wurde nicht verlängert und ob das was mit dieser Vorlesung oder ihrer allgemeinen Befürwortung von ID zu tun hatte oder nicht, ist völlig unbekannt, es gibt jedenfalls keinerlei Beleg für einen solchen Zusammenhang. Zu behaupten, es wäre so, hat natürlich unbestreitbare finanzielle Vorteile, beispielsweise kann man eine eigene Internetseite aufmachen (die "Intellectual honesty" heißt! Grundgütiger.), auf der man Vorträge für ein paar Hundert Dollar anbietet und sich in einem Film als Märtyrer darstellen lassen. Wahrer macht das die Geschichte natürlich nicht.

Kurz und prägnant formuliert CJ O'Brien vom sehr empfehlenswerten Northstate Science, welche ID-Mechanismen bei den Vorwürfen von IDlern an das "wissenschaftliche Establishment" am Werke sind :
The problem Intelligent Design has is not that its proponents’ academic freedom has been restricted…it is that ID has been unable to argue its case within the halls of academic freedom. ID has lost the argument in biological research; ID has lost the argument in the science classroom; ID has lost the argument in blogosphere; ID has lost the argument in court. It wins only by contriving events and fixing the rules so its critics do not have the opportunity to object. When ID can’t get published because people ask too many unanswerable questions (peer review), it cries “foul” and attempts to fix the rules of publication. When its proponents don’t get tenure because they haven’t done any real research, ID cries “foul” and charges violation of academic freedom. When atrociously bad science teachers do not have their contracts renewed, they cry “foul” and claim they were fired because of their pro-ID positions. When ID loses its battle for legitimacy in academia, in the classroom and in the courts, its proponents get states to sponsor “academic freedom” legislation so they can teach it anyway. Intelligent Design remains alive only because of a herculean advertising effort by its proponents. ID cannot win in the same academic freedom arena where every other single important scientific discovery throughout history has made its case and triumphed. It needs to fix the rules of the game.
Die nächsten Punkte behandle ich in meinen nächsten Posts: EXPELLED: "Tried, untested and untestable faith-without-facts warhorse" und EXPELLED: "[T]ypical of the intellectual dishonesty of the creationist-Intelligent Design cabal that wants to have this bankrupt hypothesis taught...".

MfG,
JLT


[Guardian-Zitat gefunden bei Panda's Thumb; Ben Stein photoshopped: Quidam auf AtBC]

5 Kommentare:

Anonymous said...

Schöner Artikel. Aber: Der Mann heisst Sternberg, nicht Steinberg!

JLT said...

F... ich meine oups. Klare Fehlleistung ... Korrigiere ich sofort. Immerhin habe ich es zwar zweimal falsch, aber VIERmal richtig geschrieben...

M. Neukamm said...

Hi JLT,

ein guter Artikel, vielen Dank dafür!

Allerdings würde ich vorschlagen, die Aussage "Jemand umgeht in seiner Eigenschaft als Editor den Review-Prozess..." zu ersetzen durch: "Jemand umgeht das editorial board..." o.ä.

Dass Sternberg das review umschiffte lässt sich ja nicht belegen. Sicher ist nur, dass er das Herausgeber-Gremium und die Experten der PBSW nicht von dem Artikel in Kenntnis setzte und sich weigerte, die Namen der Gutachter preiszugeben. Aber es ist schon klar, wo der Hase lang lief ;-)

JLT said...

Hi Martin,

Na, aber dem normalen Review-Prozess ist er jedenfalls nicht gefolgt - schon allein wegen seiner persönlichen Bekanntschaft mit Meyer hätte er es ablehnen müssen, als Editor zu fungieren. Auch die Weiterleitung an das Editorial Board zur Kenntnisnahme gehört zum Review-Prozess. Überdies veröffentlichen die Proceedings normalerweise jährlich ihre Reviewer, nur im Jahr 2004 ist das unterblieben, weil Sternberg, entgegen der normalen Vorgehensweise, die (angeblichen) Reviewer nicht nennen wollte.
Von daher finde ich die Aussage "hat den Review-Prozess umgangen" durchaus zutreffend.
Aber zur Verdeutlichung werde ich, wie ich es bei der ersten Nennung soundso schon geschrieben habe, da auch "den (normalen) Review-Prozess" schreiben.

Meiner Meinung nach spricht alles dafür, dass er entweder gar keine externen Reviewer zugezogen hat, oder den Artikel ein paar wohlwollende Kumpels zugeschickt hat, die alles abgenickt hätten, was nur entfernt nach ID aussieht und er deswegen keine Namen nennt.

Aber im Grunde ist auch egal, was Sternberg getan oder nicht getan hat - er ist jedenfalls nicht für seine ID-Position "verfolgt" oder in seiner akademischen Freiheit eingeschränkt worden, was im Film aber behauptet wird.

MfG,
JLT

wswseo said...

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