1 April 2008

Woran erinnert mich das bloß? Irgendwer? Irgendwer?

Auf Evolution & Schöpfung fand ich gerade dies hier:

Folgender Dialog entstand nicht nicht wie in der Überschrift behauptet, bei meinem letzten Arztbesuch sondern wurde von mir und Christian Passon geschrieben. Ich möchte ihn hier unkommentiert in den Raum stellen. Kommt irgendwem etwas an der Argumentation des Patienten merkwürdig vor? Ich freue mich auf Äußerungen dazu ...


Patient betritt den Untersuchungsraum:

Patient: Herr Doktor, ich bin krank!
Arzt: So, woran fehlt es Ihnen denn?
Patient: Naja, eigentlich fühle ich mich wohl...
Arzt: Keine Krankheitssymptome?
Patient: Nein, nicht, dass ich wüsste...
Arzt: Nunja, ich werde Sie mal untersuchen, aber wenn wir nichts finden, sollten wir wohl davon ausgehen, dass Sie gesund sind?
Patient: Ich bin krank!

Arzt nach Routine-Untersuchung:

Arzt: Sie sind gesund.
Patient: Haben Sie mich schon auf alle denkbaren und undenkbaren Krankheiten untersucht?
Arzt: Das nicht, aber...
Patient: Das ist ein typisches Argumentum ad ignorantiam. Solange sie nicht ALLE möglichen Krankheiten ausschließen konnten, kann ich auch gleich als Krank gelten.
Arzt: Ich kann keine Krankheit erkennen.
Patient: Ich gesundheitsfeindliches Verhalten könnte mir das Leben kosten!
Arzt: Mein Vorgehen ist doch nur logisch...
Patient: Quacksalber! Kurpfuscher!!!
Arzt: Ich muss doch sehr bitten! Immerhin haben wir doch auch das Indiz Ihres "Wohlseins" - das passt doch gut zu der Vorstellung, dass Sie nicht krank - sprich gesund - sind?
Patient: Ad ignorantiam! Health of the Gaps! Tun Sie endlich ihre verdamte Arbeit bis Sie was finden! Sie können mich nicht einfach für gesund erklären, nur weil Sie zu faul sind, weiter zu suchen!
Na, da äußere ich mich doch gerne zu!

Patient widerspricht allen wissenschaftlichen Nachweisen und, obwohl die schon durchgeführten Test über jeden vernünftigen Zweifel hinaus zeigen, dass er nicht krank ist, behauptet trotzdem aus einem subjektiven Gefühl heraus*, er wäre doch krank und fordert immer noch weitere Tests. Sehr wahrscheinlich würde er im nächsten Satz auch noch behaupten, die bisher durchgeführten Tests würden gar nicht das testen, was sie testen sollten, wären nicht eindeutig oder die Ergebnisse seien gar gefälscht.

Wer weiß, vielleicht vermutet der Patient sogar eine Verschwörung, die ihm glauben machen soll, er sei gesund, dabei ist er es gar nicht?!

Tja, woran erinnert mich das bloß? Woran nur?

HTH,
JLT


* und das Gefühl basiert nicht mal auf einer krankheitsbezogenen Empfindungen wie Schmerz, Schwindel o. ä. ....

6 Kommentare:

M. neukamm said...

Also, wenn ihr mich fragt, die beste und inhaltlich treffendste Analogie ist und bleibt immer noch
diese hier
... ;-)

JLT said...

@ Martin,

ohne Frage!

Aber ich musste ja mit dem arbeiten, was vorgegeben war...

Ach ja, wg. dieser Diskussion im FGH:

Kennst Du das schon: Dispatches from a Culture War: Creating a Martyr. The Sternberg Saga

MfG,
JLT

M. Neukamm said...

@ JLT,

"Ach ja, wg. dieser Diskussion im FGH: Kennst Du das schon: Dispatches from a Culture War: Creating a Martyr. The Sternberg Saga"

Jepp, habe ich in meinem Kommentar zum den "Fall Sternberg" auch zitiert ;-)

Aber da Du es schon ansprichst: Wie sich der Mensch aus der Heilig-Fraktion im FGH windet, um nicht zuzugeben, dass Sternberg ein ID-Vertreter ist und anderen noch vorhält, sie hätten ihre Hausaufgaben nicht gemacht, ist doch einfach nur peinlich. Keine Ahnung, wie man einen Wackepudding mit Argumenten an die Wand nageln soll...

JLT said...

@ Martin,

ich finde es gar nicht so wichtig, ob der Sternberg nun ID-Vertreter, ID-Befürworter oder ID-Sympathisant ist (oder was für Bezeichnungen einem da noch so einfallen können). Er hat einen Artikel, von dem er wusste, dass er nicht durch den normalen Review-Prozess kommen würde und nicht zur Thematik des Journals passte, unter Missachtung der normalen Vorgehensweise und durch Missbrauch seiner Position als Editor in das Journals eingeschmuggelt, als Freundschaftsdienst für den Artikelautor, in die letzte Ausgabe, bei der er noch Editor sein würde - und ihm war eindeutig klar, dass das Ärger geben würde, deswegen das Timing.
*Jeder*, der sowas versuchte, ganz unabhängig, zu welchem Thema, würde für so eine Aktion Ärger bekommen.

Und er hat Ärger bekommen - die Kollegen beim Smithsonian waren not amused, dass er absichtlich und wissentlich die Reputation eines angesehenen und mit dem Smithsonian in enger Verbindung stehenden Journals beschädigt hat - allerdings nicht den Ärger, den er behauptet, bekommen zu haben (keine Einschränkung seiner Zugangsberechtigung, keine Wegnahme des Büroplatzes etc.) und auch nicht aus dem Grund, den er für den Ärger angibt (nicht Diskriminierung wegen eines Pro-ID-Standpunktes, sondern wegen seines rücksichtslosen Arschlochverhaltens).

Wie man aus den Emails in dem Anhang zu dem Untersuchungsbericht entnehmen kann, war Sternberg soundso schon unbeliebt (Dutzende Bücher aus der Bibliothek ausgeliehen und Monatelang auch auf Aufforderung nicht zurückgegeben, selbst wenn diese von anderen dringend benötigt wurden und ähnliches unkollegiales Verhalten) und nach der Aktion haben ein paar Kollegen dann unfreundliche Bemerkungen per Email ausgetauscht (die Sternberg nicht zu Gesicht bekommen hat) und wahrscheinlich haben ihn ein paar Leute in der Kantine nicht mehr gegrüßt... Wissenschaftler sind so gemein...

Selbst wenn ihm jemand ins Gesicht gesagt hätte (oder hat), dass er ein blöder Sack ist, Viewpoint discrimination ist das nicht und "Expelled" schon gar nicht. Höchstens schlechte Erziehung beim einen oder so richtig verdient vom anderen (letzteres in diesem Fall, würde ich meinen).

Dass die Expelled-Leute dies als ihren überzeugendsten Fall ansehen, sagt schon einiges über das Ausmaß der "ID-Unterdrückung" aus...

Zu Behe steht auf der Expelled-Seite:

Dr. Michael Behe: Lehigh University Professor of Biochemistry

Due to Dr. Behe’s dissenting views on evolution, Lehigh University exhibits the following disclaimer on its website:

“While we respect Prof. Behe’s right to express his views, they are his alone and are in no way endorsed by the department. It is our collective position that intelligent design has no basis in science, has not been tested experimentally and should not be regarded as scientific.”


Sein "Expelled-Sein" besteht darin, dass seine Universität nicht mit der Meinung übereinstimmt, die er auf seiner Universitätswebsite veröffentlicht.

Wenn wir bösen Wissenschaftler jemanden zum Schweigen bringen, dann aber so richtig: erst kriegt er eine Internetpräsenz von uns und *dann* sagen wir, dass wir nicht der gleichen Meinung sind. So fies.

Huch, da bin ich wohl etwas ins Reden gekommen. Beschäftige mich eindeutig zu viel mit diesem Mist.

Nochmal zurück zum Wackelpudding an die Wand nageln: Ich würde dem anderen zustimmen, dass Sternberg kein IDler ist und ihn dann fragen, warum er in Expelled auftaucht, wo es da doch um die "Verfolgung" von ID-Befürwortern durch die bösen Wissenschaftler geht... (wieso ist es eigentlich so schlimm, wenn Sternberg als ID-B. tituliert wird, ist das jetzt auch schon aus deren Sicht eine abfällige Bezeichnung?)

MfG,
JLT

ChristianR said...

Keine Ahnung, wie man einen Wackepudding mit Argumenten an die Wand nageln soll...

Jetzt weiß ich endlich woher der Begriff "Götterspeise" kommt ;->
"Du sollst Dich nicht festlegen" scheint deren Leitmotto zu sein. ID will gar nicht naturwissenschaftlich sein, aber ganz unwissenschaftlich dann doch nicht. Und wenn Kritik kommt, sagt man einfach, das würde man ja überhaupt nicht mit Anspruch auf Intersubjektivität vertreten. Immunisierungsstrategien sind was tolles!

planeten said...

Ich sach nur "Fahrradhelm" ;-)

Ich glaube, ich werde nie wieder Radhelme und -wege mit den gleichen Augen sehen ;-) Das sind halt die Gefahren des Bloggens.