17 May 2007

Unfreiwillig komisch.

Die Leute bei Uncommon Descent müssen wirklich verzweifelt sein. Anders kann ich mir eine Argumentation wie die von dacook nicht erklären: Fruchtfliegen zeigen Anzeichen von spontanen Variationen ihres Verhaltens* (anstatt sich "wie mechanische Roboter", also komplett determiniert, zu verhalten), deswegen haben Menschen einen freien Willen, deswegen ist die Evolutionstheorie falsch. WTF?
Of course standard Darwinian orthodoxy denies the reality of free will.
Though many Darwinists shy away from the implications of their beliefs as they apply to ascribing responsibility for human behavior, their position demands that all behavior is determined by the genetic heritage of selfish genes. If free will in fact exists, it must exist outside the deterministic universe of materialism.
Das ist kompletter Unsinn.

Die Frage, ob all unsere Verhalten (letztendlich) durch unsere Gene bestimmt ist, existiert völlig unabhängig von der Herkunft dieser Gene. Nehmen wir mal an, wir wüssten, dass uns Aliens zusammengebastelt hätten. Das würde genauso wenig einen freien Willen widersprechen oder belegen, wie es common descent with modifications tut. Die Frage, ob es einen freien Willen gibt, bezieht sich auf den status quo, nicht die Herkunft. Auch, wenn ich mal für einen Moment annähme, die IDler hätten recht, und ein Designer hätte tatsächlich ab und an ein paar Gene zusammengezaubert, spräche das weder für noch gegen einen freien Willen.

Es gibt Untersuchungen, die gezeigt haben, dass die bewusste Entscheidung, eine Hand zu bewegen, anscheinend "getroffen" wird, nachdem der Impuls dazu im Gehirn messbar ist. Das Gehirn interpretiert die tatsächliche Reihenfolge (unbewusster Impuls -> bewusste "Entscheidung") erst im Nachhinein um. Diese (wenn auch nicht unumstrittenen) Ergebnisse gäbe es auch, wenn sich die komplette Evolutionstheorie in Luft auflösen würde.

Nochmal, die Zusammensetzung unseres Genoms ist entweder das Resultat rein natürlicher Einflüsse oder nicht. Ob die Zusammensetzung unseres Genoms unser Verhalten bestimmt, ist eine komplett andere Frage.

Und wo wir schon mal dabei sind, Wissenschaft im allgemeinen schließt nicht kategorisch aus, dass es etwas außerhalb der physischen Welt gibt. Gegenstand von Wissenschaft können nur testbare und auf die physische Welt zurückführbare Dinge sein, Übernatürliches kann weder falsifiziert noch verifiziert werden. Um wissenschaftliche Untersuchungen sinnvoll zu machen, muss man annehmen, dass es für alles eine natürliche Ursache gibt. Gäbe es übernatürliche und damit nicht vorhersagbare Ursachen, könnte man Ergebnisse von Versuchsreihen nicht ins Allgemeine übertragen, da dann ja diese Ergebnisse entweder Folge von übernatürlichen Ursachen sein oder die Ergebnisse des nächsten Versuchs durch irgendwelche übernatürlichen Einflüsse völlig anders aussehen könnten. Ohne einen methodischen Materialismus wäre Wissenschaft unmöglich, das entspricht aber nicht (unbedingt) dem philosophischen Materialismus.
Evidence for free will is evidence against Darwinism, no matter how it is spun.
Egal, wie sich der Autor dieses Blödsinns dreht und wendet, "evidence for free will" ist kein Beweis gegen "Darwinismus".
Im übrigen gibt es beispielsweise auch einen theologischen Determinismus.
Theological determinism is the thesis that there is a God who determines all that humans will do, either by knowing their actions in advance, via some form of omniscience [7] or by decreeing their actions in advance [8]. The problem of free will, in this context, is the problem of how our actions can be free, if there is a being who has determined them for us ahead of time.
MfG,
JLT

[edit] Habe gerade auch noch eine schöne Antwort von den Denialists auf das UD-Post gefunden. [/edit]

Maye et al., Order in Spontaneous Behavior, PLoS ONE 2(5): e443

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