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12 September 2007

Was (zum Geier) ist.... Phylogenie (Teil 1).

[E]volution is a theory. It is also a fact. And facts and theories are different things, not rungs in a hierarchy of increasing certainty. Facts are the world's data. Theories are structures of ideas that explain and interpret facts. Facts do not go away when scientists debate rival theories to explain them. Einstein's theory of gravitation replaced Newton's, but apples did not suspend themselves in mid-air, pending the outcome. And humans evolved from apelike ancestors whether they did so by Darwin's proposed mechanism or by some other, yet to be discovered.
[Quelle: SJ Gould, 'Evolution as Fact and Theory'. Discover 2 (May 1981): 34-37]

Wenn Gould in diesem Zitat von Evolution als Tatsache spricht, meint er damit common descent. Die Abstammung aller Arten von einem gemeinsamen Vorfahren ist so gesichert, dass niemand in Kenntnis der Daten dies bezweifeln kann. Die grafische Darstellung dieser Tatsache als phylogenetischer Abstammungsbaum hat wahrscheinlich jeder schon mal in der einen oder anderen Form gesehen [Abb. 1 zeigt ein Beispiel; Klicken zum Vergrößern]. Aber wie werden diese Phylogenien bestimmt?

Dass sich die Arten in verschiedene Gruppen unterteilen lassen, ist nicht erst Linnaeus aufgefallen, auch wenn er der Erste war, der sich eine Systematik (Linnés Taxonomie) dazu hat einfallen lassen. Während Linnaeus diese Unterteilung (natürlich) nur auf der Grundlage anatomischer Gemeinsamkeiten und Unterschiede erstellen konnte, versucht die Phylogenetik eine Unterteilung nach Gruppen von Arten, die einen gemeinsamen genetischen Vorfahren haben und verwendet dazu sowohl anatomische als auch molekulargenetische Merkmale.

Die Methode, Organismen aufgrund von gemeinsamen abgeleiteten Eigenschaften ("Synapomorphien"; "abgeleitet" heißt: nur bei dieser Gruppe vorhanden, "neu") zu klassifizieren, wurde von Hennig in der Mitte des letzten Jahrhunderts eingeführt. Sie ist unabhängig von common descent, d. h. auch unbelebte Gegenstände können nach dieser Methode unterteilt werden, eine gemeinsame Abstammung muss nicht vorausgesetzt werden. Im Grunde hat Hennig nur formalisiert, was Taxonomen seit Linnaeus schon intuitiv gemacht haben, auch bevor Darwin seine Theorie veröffentlicht hat. Der wichtige Punkt ist, dass die Gruppen nicht gebildet werden, indem *alle* Gemeinsamkeiten betrachtet werden, sondern wie oben schon gesagt, nur die abgeleiteten, unterscheidenden Merkmale einbezogen werden.

Betrachtet man als Beispiel die Säugetiere, so sind abgeleitete Merkmale beispielsweise Endothermie (Körperwärme kann aktiv reguliert werden), Haare und das Vorhandensein von Zitzen. Die höheren Säugetiere haben als abgeleitetes Merkmale eine Plazenta (was sie von den Beuteltieren unterschiedet). Unter den höheren Säugetieren sind die mit dauerhaft nachwachsenden Zähnen im Ober- und Unterkiefer zu den Nagetieren zusammengefasst etc.. Wichtig ist, dass ein bestimmtes Merkmal je nach Gruppe, die betrachtet wird, abgeleitet oder "primitiv" sein kann: betrachtet man die Säugetiere als Gruppe, sind Haare ein abgeleitetes Merkmal. Betrachtet man die Nagetiere, sind Haare ein primitives Merkmal (das sie nicht von anderen Säugetieren unterscheidet). "Primitiv" und "abgeleitet" sind also relative und nicht etwa qualitative Bezeichnungen.
In der Realität ist es natürlich nicht so einfach zu entscheiden, welche Merkmale tatsächlich die charakterisierenden abgeleiteten Merkmale sind. Um Konflikte zu lösen, sind eine Reihe von statistischen Algorithmen entwickelt worden, die entscheiden helfen, welches tatsächlich die bestimmenden Eigenschaften sind.

Das "Sparsamkeitsprinzip" (maximum parsimony):

Der Abstammungsbaum ist der korrekte, der die wenigsten Konflikte von Eigenschaften beinhaltet. Als Beispiel: Wenn man sich ein Sammlung von zehn Eigenschaften von Fledermäusen ansieht, dann haben sie eins der abgeleiteten Merkmale mit Vögeln gemeinsam (Flügel), aber der Rest platziert sie in einer Gruppe mit Affen und anderen Säugetieren, dann ist die letztere Gruppierung diejenige mit weniger Konflikten.
Diese Methode funktioniert nicht so gut (es kann kein eindeutiger Baum erstellt werden), wenn die Evolutionsrate hoch ist, wenn Gruppen mit einer sehr langen getrennten Entwicklung betrachtet werden oder wenn eine "Eigenschaft" nur wenige Formen annehmen kann. Letzteres wird besonders deutlich, wenn man eine Gensequenz betrachtet. Jedes Basenpaar kann nur eine von vier "Formen" haben, entweder A, T, G oder C. Hier ist es teilweise nicht möglich, *den* Baum mit den geringsten Konflikten zu bestimmen bzw. kann es in Sonderfällen sogar so sein, dass der Baum mit den geringsten Konflikten nicht der tatsächliche ist.


Das "Wahrscheinlichkeitsprinzip" (maximum likelihood):

Diese Methode ist robuster gegenüber unterschiedlichen Evolutionsraten oder Eigenschaftskonflikten. Anders als bei maximum parsimony wird hierfür common descent vorausgesetzt. Ausgehend von Datensätzen mit verschiedenen "Eigenschaften" (z. B. Gensequenzen) kann mit dieser statistischen Methode der Abstammungsweg berechnet werden, der am wahrscheinlichsten zu der beobachteten Verteilung von Eigenschaften geführt hat [siehe Abb. 2; Klicken zum Vergößern].


"Abstandsbestimmung" (distance methods):

Bei dieser Methode werden verschiedene Taxa paarweise verglichen und ihr "Abstand" bestimmt. Dies wäre im einfachsten Fall eine Zählung der Unterschiede. Bei drei Arten, von denen sich 1 und 2 durch drei Eigenschaften unterscheiden, 2 und 3 durch fünf und 1 und 3 durch vier, wären 1 und 2 am nächsten verwandt. Bei dieser Methode wird nicht zwischen abgeleiteten und primitiven Eigenschaften unterschieden und sie wird in der Regel nur für Gensequenzen verwandt. Um aus den Ergebnissen einen Abstammungweg zu erhalten, wird beispielsweise eine weitere Methode verwandt, die als "minimum evolution" bezeichnet wird, d. h. der Baum wird ausgewählt, bei dem die zusammengenommenen "Ast-Längen" (die Zeit, die sich basierend auf Evolutionsraten die einzelnen Taxa getrennt entwickelt haben) aller betrachteten Arten zusammen am Kürzesten ist (es gibt noch eine Reihe anderer Möglichkeiten, aus diesen Daten Abstammungsbäume zu berechnen). Diese Methode ist nicht so rechenintensiv wie maximum likelihood, da jeweils nur zwei Arten betrachtet werden.
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Bei allen Methoden zur Bestimmung einer Phylogenie ist das Ergebnis die beste Annäherung an den historischen Abstammungsweg, der um so wahrscheinlicher der tatsächlichen Abstammungsgeschichte entspricht, je mehr Eigenschaften, und bei manchen Methoden auch, je mehr verschiedenen Taxa* betrachtet werden.

Bevor ich in einem neuen Post zu der Statistik komme, die ausdrückt, wie wahrscheinlich ein berechneter Abstammungsweg dem historischen entspricht, möchte ich eins noch betonen: Nur eine gemeinsame Abstammung, bei der die Beibehaltung gemeinsamer Merkmale durch Vererbung die Regel ist und nur als Ausnahme neue Merkmale entstehen oder alte verloren gehen, erklärt eine verschachtelte Hierarchie, wie wir sie sehen. Das bedeutsame Wort hier ist "erklärt". Natürlich könnte auch eine übernatürliche Macht jede Veränderung verursacht haben, aber um diese verschachtelte Hierarchie zu erhalten, müsste diese sich bemüht haben, den Eindruck einer gemeinsamen Abstammung zu erwecken. Wären die Veränderungen wahllos (nicht im Sinne von ungewollt, sondern von "diese Art sähe lustig mit diesem primitiven Kiefergelenk aus, denen gebe ich jetzt mal Haare und bei dem hier kombiniere ich mal beides (was nie vorkommt)" - es gibt Kombinationen, die möglich wären, aber nie auftreten), könnte nicht ein bestimmter Abstammungsweg berechnet werden, sondern es gäbe sehr, sehr viele verschiedene Abstammungsbäume mit der gleichen statistischen Signifikanz. Selbst wenn man sagt, es wurden verschiedene "Arten" im biblischen Sinn geschaffen und die Evolution fand ausgehend von diesen statt, ist das nicht stichhaltig. Auch wenn man Vögel, Reptilien und Säugetiere betrachtet (was schon eine ziemlich großzügige Auslegung der biblischen "Arten" wäre), kann man wahrscheinliche Abstammungsbäume von weniger wahrscheinlichen unterscheiden. Wie gesagt, das heißt nicht, dass sie nicht geschaffen sein *könnten*, aber es erfordert, dass der/die/das "Schöpfer" sich daran orientiert hat, wie die Verteilung von Merkmalen nur durch Vererbung und Variation aussehen müsste.

MfG,
JLT


[Das hier Beschriebene basiert in großen Teilen auf dem englisch-sprachigen '29+ Evidences for Macroevolution' vom TalkOrigins-Archiv, insbesondere dem 'Phylogenetics Primer', den ich jedem, der einigermaßen Englisch versteht, zu lesen empfehle.]

[Bild-Quelle: Abb. 1: Phylogenetics Primer; Abb. 2: Eigenproduktion]

* Die Bezeichung "Taxon" (pl. Taxa) kann für jede Gruppe von Organismen angewandt werden, die die gleichen Eigenschaften besitzt. Dies kann eine einzelne Art sein, aber auch eine Klasse, Ordnung oder Gattung von Organismen; es ist eine "wertfreie" Bezeichnung. Eine Bezeichnung, die manchmal synonym verwendet wird (es aber streng genommen nicht ist), ist Klade. Als Klade bezeichnet man alle Organismen mit einem gemeinsamen Vorfahren, d. h. in meiner Abb. 2a entsprechen 1 und 2 jeweils einem Taxon und 1 und 2 zusammen gehören zu einer Klade (haben einen gemeinsamen Vorfahren; auf der nächst "höheren" Ebene bilden natürlich auch 1,2 *und* 3 eine Klade). 1 und 2 könnten jeweils beispielsweise Gattungen sein, dann wäre jede für sich wiederum eine Klade, da sie selbst "nur" eine Zusammenfassung von Organismen mit gemeinsamer Abstammung darstellen, die weiter unterteilt werden könn(t)en (uh oh, ich hoffe, damit trage ich nicht zur Verwirrung bei; als Beispiel: alle Säugetiere können als ein Taxon behandelt werden, wenn man sie z. B. mit Reptilien vergleicht und stellen eine Klade dar, wenn man die Säugetiere untereinander anschaut. Es besteht also ein Unterschied in der "Betonung", ob man die Unterschiede oder die Gemeinsamkeiten herausstellen möchte.).

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30 August 2007

Was ist..... ein "Galileo Gambit".

"They laughed at Copernicus. They laughed at the Wright Brothers. Yes, well, they also laughed at the Marx Brothers. Being laughed at does not mean you are right."

Michael Shermer

Vielleicht ist der eine oder andere schon in einem Blog-Beitrag, einem Forum oder im UseNet schon über den Ausdruck "Galileo Gambit" gestolpert.

In der ursprünglichen Bedeutung wurde die Bezeichnung "Galileo Gambit" auf Leute angewandt, die eine REVOLUTIONÄRE NEUE, DIE BESTEHENDEN WISSENSCHAFTLICHEN ERKENNTNISSE AUF DEN KOPF STELLENDE Idee/Hypothese/Erfindung/Heilungsmethode verkündeten und auf Fragen wie:

"Wenn das so offensichtlich/revolutionär ist//so gut funktioniert/sicher heilt, warum ist das dann noch nicht vermarktet/veröffentlicht?" etwas antwortete im Sinne von

"Das Establishment/die Evil Atheist Conspiracy/Big Pharma hindert mich daran, wie damals auch Galileo oder [andere bedeutende Person einsetzen, deren Hypothesen sich nicht sofort durchgesetzt haben] gehindert wurde." oder "Über [bedeutenden Namen einsetzen] wurde auch erst gelacht, aber später hat sich herausgestellt, dass er/sie Recht hatte".

Schnell wurde diese Bezeichnung aber auch verwendet, wenn die Anhänger solcher Ideen ähnlich argumentierten.

Hinter dieser Argument-Variante steht der logische Fehler der falschen Analogie. Nur weil jemandes Ideen belächelt werden und/oder er sie nicht veröffentlichen kann, sind seine Ideen nicht in Wirklichkeit richtig. Oder, wie dieser Beitrag eines John Morris bei alt.revisionism es so eloquent auf den Punkt bringt:
Ah, the Galileo gambit, or I'm a Martyr So I Must Be Close to the Truth. Let's see who is drawing the fallacious conclusion.

1. Persecution does not make you right.

Thousands of snake oil salesmen have been persecuted, too. Yet you never see anyone say, "In 1633, Joe Bloggs was arrested and imprisoned for selling bottled urine which he claimed was a magic elixir. In their fight to make the truth known, Revisionists are just like brave Joe Bloggs selling piss in a bottle."
Eine Variante des Galileo Gambits bringt Ben Stein in dem Blog zu "EXPELLED" (der ganze Film scheint eine Art Galileo Gambit zu sein) [HT denialism blog]:
Some of the greatest scientists of all time, including Galileo, Newton, Einstein, operated under the hypothesis that their work was to understand the principles and phenomena as designed by a creator.

Operating under that hypothesis, they discovered the most important laws of motion, gravity, thermodynamics, relativity, and even economics.

Now, I am sorry to say, freedom of inquiry in science is being suppressed.

Under a new anti-religious dogmatism, scientists and educators are not allowed to even think thoughts that involve an intelligent creator. Do you realize that some of the leading lights of “anti-intelligent design” would not allow a scientist who merely believed in the possibility of an intelligent designer/creator to work for him… EVEN IF HE NEVER MENTIONED the possibility of intelligent design in the universe?EVEN FOR HIS VERY THOUGHTS… HE WOULD BE BANNED.

In today’s world, at least in America, an Einstein or a Newton or a Galileo would probably not be allowed to receive grants to study or to publish his research.
Noch mal zur Erinnerung, "Persecution does not make you right".* Mal ganz abgesehen davon, dass es sehr zweifelhaft ist, ob überhaupt eine "Verfolgung" stattfindet. Ben Steins Beitrag hört sich für mich eher nach Verfolgungswahn an.

Einer ähnlichen "Argumentation" bedient sich auch Spaemann in seinem Wirtschaftswochen-Interview, wenn er erklärt, warum seiner Meinung nach die Suche nach "einem Willen" (im Sinne von ID) nicht ausgeschlossen werden darf:
Frau Thoene hat ihre Entdeckung** ja nun gemacht. Sie hat das ja nur heraus bekommen, weil sie davon ausging, dass es so etwas gibt und dass Bach so etwas gemacht hat. Sie wäre niemals durch Zufall darauf gestoßen. Ein Musikwissenschaftler könnte hunderte von Jahren daran forschen, ohne darauf zu stoßen. Aber sie wusste, dass Bach in ganz einfachen Fällen wie bei BACH so etwas gemacht hat. Und so hatte sie eine Vermutung, und hat deshalb die Sache hin und her gewälzt. Bis sie plötzlich diesen Text herausgekommen hat. Wenn man ihr verboten hätte, nach diesem Text zu suchen, weil es nichts mit Musikwissenschaft zu tun hat, hätte sie ihn nie gefunden, dann wäre es nie heraus gekommen.
Diese Analogie ist auf so vielen Ebenen falsch, da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll.

Erstens, Frau Thoene hatte eine begründete Hypothese (Bach hat in einer Komposition Text verschlüsselt, er könnte es auch in einer anderen getan haben).

Zweitens, sie kannte den vermutlichen Mechanismus (Spaemann nennt es Geomantia, s. u.).

Drittens, der Urheber dieser verschlüsselten Botschaft ist ein Mensch und die Hypothese ist überprüfbar, mit anderen Worten, ihre Untersuchung ist von vorne bis hinten wissenschaftlich. Während ID noch nicht mal eine wissenschaftlich überprüfbare Hypothese formuliert hat.

Und viertens, damit diese Analogie überhaupt zutreffen könnte, müsste auch etwas da sein, was man finden könnte (und da kommt der Galileo Gambit ins Spiel: "Persecution does not make you right").

Welcher Art die "Verfolgung" ist, kann man bei Bronze Dog nachlesen:
Ridicule, though often depicted as pointless, can serve a purpose: Humorous exaggeration and analogies, for example, often amplify a person's logical fallacies so that people can see them more easily. That's the purpose behind the Flying Spaghetti Monster: An exaggeration of Intelligent Design's single-minded pursuit of respect in the public relations front instead of scientific research. Unfortunately, the woos seldom respond to this exposure, often complaining that exposing their logical fallacies (which they don't admit to) is a form of persecution.
Wenn das mal nicht zutreffend ist...

MfG,
JLT


* Und weil es sich hier anbietet: Das schreiben in Großbuchstaben macht eine Behauptung auch nicht notwendigerweise wahr.
Ich wusste auch noch nicht, dass die Mitglieder der Evil Atheist Conspiracy Gedanken lesen können. Mir sagt auch nie jemand was.

** Aus dem Interview als Erklärung:
Man wusste seit langem, dass Johann Sebastian Bach kleine, verschlüsselte Texte in seine Musik eingearbeitet hat. Bekannt ist ja die Fuge BACH. Die Musikwissenschaftlerin Helga Thoene hat nun heraus gefunden, dass die Violin-Sonate in g-Moll von Bach einen erstaunlichen verschlüsselten Text enthält. Wenn man ein bestimmtes Schema zu Grunde legt, das man zu Bachs Zeiten Geomantia nannte, das war so ein kabbalistische Verfahren, Buchstaben in Zahlen zu verwandeln, das kann ich hier jetzt nicht ausführlich beschreiben. Aber wenn jeder erste Ton mit allen anderen Tönen der jeweils ersten Takte verknüpft wird und den Noten bestimmte Buchstabenwerte zugeteilt werden, dann auf einmal springt mir der Text entgegen: Ex Deo nascimur, in Christo morimur, per spiritum sanctum reviviscimus. Aus Gott werden wir geboren, in Christus sterben wir, durch den heiligen Geist werden wir wieder erweckt.

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25 July 2007

Was ist..... ein Strohmann.

Aus gegebenem Anlass eine kleine Begriffserklärung.

Ein Strohmann ist eine falsch oder verzerrt wiedergegebene Darstellung eines Arguments, die dann anstelle des eigentlichen Arguments angegriffen wird.

Ein Beispiel:

Es kann also keine Rede sein, dass Müll DNA einfach nur ein flapsiger Ausdruck für eine bis dahin unbekannte Funktionserwartung war, sondern im darwinistischen Kontext ging man von einem evolutionärem Müll aus, der sich in den Genen über die Jahrmillionen einer Entwicklungsgeschichte durch Zufall und Notwendigkeit vom Einzeller zum Menschen ansammelte. Diese Erwartungshaltung wurde klar formuliert und vertreten, so wie man heute noch gerne von funktionslosen Organen spricht, wie das beim Wurmfortsatz, dem Blinddarm, gerne praktiziert wurde und in anderen Fällen, wie angebliche Fehlkonstruktionen der Augen oder des aufrechten Ganges, geschieht. [....]

Es gibt nun handfeste Belege, die zeigen, dass die ID Erwartungen [hinsichtlich Funktionen in Junk-DNA] sich weitestgehend erfüllen, während die Erwartungen der darwinistischen Evolutionstheorie widerlegt wurden.
Dies ist ein Strohmann, da

Junk-DNA nicht [heißt], was IDler offenbar denken, was es heißt, Adaptionisten/Vertreter einer "darwinistischen" Evolutionstheorie eher einen geringen Anteil funktionsloser DNA am Genom erwartet [hätten] und die pure adaptionistische Sichtweise [heute] eh passé [ist].
Mal ganz abgesehen davon, dass ID gar nicht notwendigerweise Funktionen in Junk-DNA "erwartet" (auch hier), um es mal vorsichtig zu formulieren.

Ein weiteres Beispiel für einen Strohmann wäre auch, wenn jemand den obigen Absatz nehmen und so umformulieren würde:

Die "darwinistische" Evolutionstheorie wird durch Funktionen in "Junk"-DNA widerlegt.
um dann hinterher darüber herzuziehen, dass der Autor keine Ahnung hat, weil eine Theorie nicht gleich widerlegt sei, wenn sich eine Erwartung nicht erfüllt.

Wenn jemand natürlich in der Folge aufzeigt, dass

Junk-DNA [nicht heißt], was IDler offenbar denken, was es heißt, Adaptionisten/Vertreter einer "darwinistischen" Evolutionstheorie eher einen geringen Anteil funktionsloser DNA am Genom erwartet [hätten] und die pure adaptionistische Sichtweise [heute] eh passé [ist].
und sogar im direkt folgenden Abschnitt die tatsächlichen Erwartungen der "darwinistischen" Evolutionstheorie darstellt:

Bezogen auf funktionslose DNA bedeutet dies, dass sie einen "Kostenfaktor" darstellt (bei jeder Zellteilung muss sie verdoppelt werden) und ihr Anteil durch deletierende Mutationen "klein gehalten" wird. Pure Adaptionisten gingen davon aus, dass mehr oder weniger das gesamte Genom eine Funktion für die Zelle/den Organismus hat und damit die Genomgröße einen Hinweis auf die Anzahl der enthaltenen Gene wäre.
in direkter Antwort auf die Behauptung, die "darwinistische" Evolutionstheorie würde Junk-DNA erwarten, dann kann man zwar einräumen:

Ich gebe Dir Recht, dass ich Klaus Langes Kommentar überspitzt wieder gegeben habe.
aber auf die Gültigkeit der Widerlegung hat das keinen Einfluss, denn:

Damit ist wohl klar, dass eine Behauptung wie "Die (Erwartungen der) "darwinistische" Evolutionstheorie wird durch Funktionen in "Junk"-DNA widerlegt" auf allen Ebenen falsch ist, ob nun mit oder ohne "Erwartungen".


MfG,
JLT

P.S.: Schönen Dank an Kramer und PMP, denen dieser Unterschied bewusst ist und dementsprechende Kommentare auf dem E&S-Blog hinterlassen haben.

P.P.S: Achja, da ich nun zwei "Erwartungen der" in mein 'Darwin, Dawkins, Junk-DNA'-Post eingearbeitet habe, wird vielleicht deutlich, in wie weit das den Sinn des Posts verändert oder die Argumente beeinflusst...



Die Zitate stammen aus der Diskussion zu dem bemängelten Post ('Darwin, Dawkins, Junk-DNA'), in der ich schon vor einer Woche (am 18.07.) gegenüber Christian Passon, dem Autor von 'So wird ein Schu(h) draus!' (übrigens das erste Mal, dass jemand einen Witz über meinen Nachnamen macht, ehrlich...) auf seine diesbezügliche Kritik reagiert habe.
In eben diesen Kommentaren hat Christian mehrfach die Behauptung wiederholt, dass

...der Großteil der ET-Vertreter ja tatsächlich die "Junk"-DNA als solche behandelt und das nach außen auch so vertreten [haben]. Stellen wir uns mal die Situation vor, in der sie sich damals befanden, dann ist der Schluß, dass die DNA tatsächlich Schrott ist keineswegs abwegig.
oder auch

Gerade das hier:
Biologen haben noch nie angenommen, dass alle nicht-kodierende DNA funktionslos ist.
ist nicht korrekt.

Richtiger wäre: Es gab immer wieder Biologen, die (im Gegensatz zur Mehrzahl ihrer Kollegen) Funktionen in der "Junk"-DNA vermuteten.

Bei Gelegenheit könnte ich dazu mal Zitate zusammentragen.
Nun hatte er ja eine Woche Zeit, wissenschaftliche Publikationen zusammenzutragen, in denen die Hypothese aufgestellt wird, dass alle Junk-DNA funktionslos ist. Tut er aber nicht. Warum nur...
Statt dessen baut er den Strohmann auf, mein gesamter Beitrag wäre einer. Da kann ich nur sagen:

Was lernen wir daraus? Strohmänner brennen gut, es gibt Leute, die basteln sie gerne und wenn man ein anfürsich schlechtes Argument lange genug mit falschen Tatsachenbehauptungen und Unwahrheiten stopft....
dann hat man ein Post wie das von Christian.

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11 April 2007

Was ist... Russell's Law?

It it impossible to distinguish a creationist from a parody of a creationist.
Ich habe zugegebenermaßen keine Ahnung, woher dieses Zitat stammt. Zwei Blogs bezeichnen es beispielsweise als Russell's Law (90 % True und Untravel). Bertrand Russell, der der naheliegendste "Verdächtige" wäre, hat aber nichts dergleichen gesagt, jedenfalls nicht nach dem, was man so online findet. Das einzige, was dem nahekommt, ist dieser Ausschnitt aus seinem 'Why I Am Not A Christian'.
The next step in the process brings us to the argument from design. You all know the argument from design: everything in the world is made just so that we can manage to live in the world, and if the world was ever so little different, we could not manage to live in it. That is the argument from design. It sometimes takes a rather curious form; for instance, it is argued that rabbits have white tails in order to be easy to shoot. I do not know how rabbits would view that application. It is an easy argument to parody. You all know Voltaire's remark, that obviously the nose was designed to be such as to fit spectacles. That sort of parody has turned out to be not nearly so wide of the mark as it might have seemed in the eighteenth century, because since the time of Darwin we understand much better why living creatures are adapted to their environment. It is not that their environment was made to be suitable to them but that they grew to be suitable to it, and that is the basis of adaptation. There is no evidence of design about it.
Eine Variante findet sich im Urban Dictionary, allerdings unter "Poe's Law":
"Without a winking smiley or other blatant display of humor, it is impossible to create a parody of Fundamentalism that SOMEONE won't mistake for the real thing."

In other words, No matter how bizarre, outrageous, or just plain idiotic a parody of a Fundamentalist may seem, there will always be someone who cannot tell that it is a parody, having seen similar REAL ideas from real religious/political Fundamentalists.
Dann gibt's welche, die dieses Zitat einem Christopher Hitchens zuschreiben, aber auch das konnte ich nicht bestätigen.

Aber wer immer das gesagt hat, eins ist klar: Es stimmt. Das obenstehende Bild ist ein Beispiel dafür (eine Parodie), diese beiden Atheist's Nightmare-Spots ebenfalls (Peanut Butter und Bananen! So sehen also 'unsere' Alpträume aus.... keine Parodie, die sind tatsächlich ernst gemeint, wirklich nicht zu glauben). Der Panda's Thumb-Aprilscherz stellt das Ganze dann völlig auf den Kopf.

Von daher ist wirklich jedem anzuraten, eine Parodie auch als solche zu kennzeichen, am Besten gleich im Titel.

MfG,
JLT

[Bild-Quelle]

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24 March 2007

Was ist.... Natürliche Selektion?

....erklärt von Dr. Steve:

[Quelle: Beaver and Steve; Klicken zum Vergrößern]

MfG,
JLT

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17 March 2007

Was ist.... ein Irony Meter?

Heute stelle ich das Konzept des "Irony Meter" vor. Ein sehr nützliches Instrument, dass (unbeabsichtige) Ironie in Aussagen von Fundamentalisten misst und den Inhaber auf besonders ironische Bemerkungen aufmerksam machen soll. Die früheren Irony meter hatten nur eine einfache Skalenanzeige in milliIrony [mIry], häufig mit einem roten Bereich, der Irony Overload anzeigte. Aufgrund der Explosivität von mIry war den meisten Irony meter nur eine kurze Lebensdauer beschert, so dass nur wenige alte Exemplare die Erfindung des Intelligent Designs überdauert haben.
Links im Bild ein besonders schönes, handgefertigtes Pocket Irony Meter (Herstellungsdatum vermutlich um 1978) , das nur deswegen noch intakt ist, weil es Jahrzehnte auf einem Speicher lag, vergessen in der Tasche eines alten Wintermantels.

Neuere Modelle sind etwas besser gegen einen Irony Overload geschützt, in dem sie eine Auto-Shutdown Funktion eingebaut haben, die aktiviert wird, sobald der kritische Bereich erreicht ist (z. B. der Mk VI von EAC-Technologies). Das Topmodell auf dem Markt ist der Mk VII (ebenfalls von EAC-Technologies), das überdies noch mit FUNDAR Technologie ausgestattet ist, die eine präzise Lokalisierung der Ironie ermöglicht, und ein Intensity warning system besitzt, wodurch es dem Besitzer ermöglicht wird, sein Gerät sicher auszuschalten, bevor ein Emergency Shutdown nötig wird.

Nicht alle begrüßen diese Weiterentwicklung der Technologie, viele Traditionalisten trauern den alten Zeiten hinterher, in denen fast jedes Gespräch mit einem Kreationisten den Kauf eines neuen Gerätes erforderte.

MfG,
JLT

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