26 June 2007

Oh. Mein. Gott.

Möglicherweise ist das ja ein alter Hut, aber mir war es neu: Es gibt einen YouTube-Klon namens GodTube?! Dort habe ich dieses Video gefunden.



Ich muss eine Warnung aussprechen: Ein untrainierter Betrachter könnte schwere Nebenwirkungen erleiden, beginnend bei Migräne-artigen Kopfschmerzen bis hin zur möglicherweise letalen Gehirnverflüssigung. Und es ist nur ein Video aus einer ganzen Serie!
Selbst ich habe nur zwei geschafft. Und die Kommentare dazu. Es ist schrecklich.

Vielen Dank, lukUHLus*, für diese ernüchternde Erfahrung. Wäre doch nicht nötig gewesen.

JLT


* auf dessen Seite ich eins dieser Videos entdeckte. Inhalt: ein Specht ist zu komplex um durch Evolution entstanden zu sein. Hätte er einfach so angefangen, seinen Kopf gegen Baumstämme zu hämmern, ohne all die anderen Anpassungen, wäre sein Gehirn zu Jelly geworden (eine Erfahrung, die man wie gesagt, nach Sehen dieser Videos nachvollziehen kann) - ist also genauso wie bei der Mausefalle, die funktioniert ja auch nicht, wenn man nur ein Teil wegnimmt...

4 Kommentare:

Dr. Michael Blume said...

Freut mich, dass sich endlich noch ein Blog mit dem Zusammenhang Religion-Evolution beschäftigt! Super! Ich verlinke sofort von meinem Blog (http://religionswissenschaft.twoday.net/ ) hierher und verspreche, auch öfter mal vorbeizuschauen!

Auf gute Debatten und einen ggf. munteren Austausch! (-:

Michael Blume

JLT said...

Danke!

Hatte noch keine Zeit, einen ausführlichen Gegenbesuch zu tätigen, werde das aber am Wochenende nachholen.

MfG,
JLT

Dr. Michael Blume said...

Hallo JLT,

die Page hat mich heute zu einem eigenen Plädoyer für wissenschaftliche Vernunft jenseits von kreationistischem oder auch pseudo-darwinistischem Fundamentalismus angestiftet! ( http://religionswissenschaft.twoday.net/20070702/ )

Alles Gute!

Michael Blume

Thomas Waschke said...

@Michael Blume,

JLT ist momentan ein wenig in Zeitdruck, daher möchte ich sie ein wenig entlasten und auf Deinen Artikel eingehen, selbst wenn ich in vielen Punkten mit JLT nicht einer Meinung zu sein scheine.

Ganz ehrlich, ich finde Deinen Text einfach nur ärgerlich. Er reiht apodiktisch haltlose Thesen aneinander, ohne Begründungen zu liefern. Ich versuch mal, Dir das zu verdeutlichen.

Es geht los mit Wortschöpfungen. Du erwähnst "kreationistische[n] Intelligent-Design-Fundamentalismus" und "religiös-fundamentalistischen Vertreter von ID ("Intelligent Design")". Hübsch. Was soll denn das sein? Kreationisten sind üblicherweise YEC, ID lehnt das ab. Welche Position (Organisationen, Autoren) meinst Du konkret mit dieser Formulierung? Was hältst Du beispielsweise von Menschen wie Flew, die ID vertreten? Sind die auch 'religiös-fundamentalistisch'?

Okay, die Vertreter von ID behaupten, "dass sich die Entfaltung des Lebens nicht ohne "intelligente Designer" erklären lasse", aber ob "was einfach nicht (mehr) stimmt" inhaltlich zutrifft ist eine sehr interessante Frage. Hier machst Du ein sehr problematisches Fass auf. ID argumentiert vor allem mit den Lücken in der Evolutionstheorie. Die eleganteste Möglichkeit, ID zu widerlegen, bestünde daher einfach darin, dessen kritische Anfragen zu beantworten. Soweit ich sehe, gelingt das nicht.

"[A]ber schon heute übertreffen die evolutionsbiologischen Theorien jede noch so kreationistische Variante in Sachen Erklärungskraft bei weitem". Das stimmt selbstverständlich, denn YEC ist widerlegbar und widerlegt. ID hingegen betont explizit, dass es keine Erklärung liefern kann. ID konstatiert eine Erklärungsgrenze, ab der Offenbarung ins Spiel kommen muss. Ob man diese Auffassung einfach an der Elle der üblichen Wissenschaftstheorie messen darf, wenn sie die Wissenschaftstheorie als solche angreift?

Was möchtest Du uns mit "um unter dem Banner eines vermeintlichen "Ultra-Darwinismus"" sagen? Sätze wie dieser machen mich ratlos. Was soll 'vermeintlicher Ultra-Darwinismus' bedeuten? Meinen diese Menschen nur, Ultra-Darwinisten zu sein, ohne es einlösen zu können? Was ist eigentlich für Dich 'Ultra-Darwinismus'? Beziehst Du Dich auf Gould?

Was meinst Du mit "eine Anerkennung des Evolutionsprinzipes"? Den Ausdruck 'Evolutionsprinzip' kenne ich nicht. Was verstehst Du unter diesem Begriff? Meinst Du, dass man, wenn man nur hinreichend nebulös formuliert, einen Gott problemlos auch mit Evolution unter einen Hut bringen kann?

"Und den christlichen Mitentdecker des Evolutionsprinzips, Alfred Russel Wallace, pflegen beide Lager sogar meist völlig zu ignorieren" finde ich possierlich. Die maßgeblichen Vertreter der AG Evolutionsbiologie würden Deine Thesen in die Tonne hauen, haben aber Wallace im Logo ihrer HomePage (http://www.evolutionsbiologen.de). Daran kannst Du ersehen, dass Du hier auf dem Holzweg bist. Bist Du sicher, dass Wallace Christ war und nicht nur ein abgedrehter Esoteriker? Kennst Du Dich in Wissenschaftsgeschichte hinreichend aus, um beurteilen zu können, wie das Verhältnis von Darwins und Wallaces Auffassungen gesehen wurde? Weißt Du, was Romanes, ein Schüler Darwins, zu dieser Frage geschrieben hat?

Romanes, G.J. (1892) 'Darwin, and After Darwin. An Exposition of the Darwinian Theory and a Discussion of Post-Darwinian Questions. Vol 1: The Darwinian Theory' Chicago, Open Court

Romanes, G.J. (1895) 'Darwin and after Darwin. An Exposition of the Darwinian Theory and a Discussion of post-Darwinian Questions. Vol. 2: Post-Darwinian Questions: Heredity and Utility' Chicago, Open Court

"Für Darwin war -bei allen persönlichen Glaubenszweifeln- selbstverständlich klar, dass es sich bei Religiosität um ein Ergebnis des Evolutionsprozesses handelte - also eine menschliche Veranlagung, die sich deswegen entwickeln und verbreiten konnte, weil sie insgesamt mit biologischen Vorteilen verbunden war." Das hast Du sehr schön apodiktisch in den Raum gestellt. Bringt das aber was für einen aufrechten Christen?

Ich habe etliche Darwin-Biographien (und sehr, sehr viele Schriften von Darwin) gelesen, und teile die Einschätzung, dass man für jeden Standpunkt,hinsichtlich der Haltung von Darwin zu Religion (von Theismus über Deismus und Agnostizismus bis hin zum Atheismus) Belegstellen finden kann. Fakt scheint mir zu sein, dass Darwin, zumindest als reifer Mensch, kein Christ war. In seiner Autobiographie (die allerdings, wie unten erwähnt, nicht autoritativ ist) hat er sehr explizit dargestellt, was ihn am Christentum abschreckt. Ich kann Dir die relevanten Passagen gerne zitieren. Du kannst natürlich sagen, dass das, was Darwin unter 'Christentum' verstand, kein Christentum (tm) war, aber da Darwin examinierter Theologe war, gehe ich davon aus, dass er das, was man zumindest damals unter 'Christentum' verstand, sehr genau kannte.

"suchte er nach Erklärungen für den biologischen Erfolg von Religion und vermutete sie z.B. in der Gruppenselektion, ohne jedoch das Rätsel befriedigend lösen zu können" Hier kenne ich mich vermutlich weniger aus als Du. Wärst Du bitte so freundlich, mir Belegstellen für diese Auffassung (speziell, dass Darwin Gruppenselektion vertrat) zu nennen?

Was willst Du mit "Reproduktionserfolg religiöser Menschen, auf gesundheitliche Aspekte (z.B. Speise- und Alkoholgebote, die Salutogenese etc.) sowie tatsächlich auf Gruppenprozesse (Vertrauen, reziproker Beistand, Unterstützung und Kontrolle etc.) verweisen" begründen? Hat das etwas mit der Existenz eines Gottes oder nur mit gefühlter Religion zu tun? Würde es nicht reichen, den Menschen einzutrichtern 'Seid fruchtbar, haltet Maß, seid lieb zu Euren Nächsten, denn der Große Watz sieht alles, weiß, was Ihr denkt und haut Euch im Jenseits tierisch einen auf den Nüschel, wenn Ihr Euch nicht an SEINE Gebote haltet', selbst wenn der Große Watz nur eine von der Priesterkaste erfundene Illusion sein sollte? Hast Du schon einmal darüber nachgedacht, dass es für den Menschen, dessen Evolution tradigenetisch (und damit genuin lamarckistisch) verläuft, keinen Sinn macht, mit Denkschemata der Selektionstheorie zu argumentieren? Oder willst Du das Religions-Mem als Knüller verkaufen?

Du schreibst auch "Darwin selbst schloss die Existenz Gottes ausdrücklich nicht aus und betonte mehrfach, dass Evolutionstheorie und Religiosität nicht notwendig in einem Widerspruch stünden". Wie gesagt, Bildungslücke, kannst Du bitte Belegstellen für 'mehrfach betont' nennen? Okay, in seiner Autobiographie bezeichnet er sich expressis verbis als 'Agnostiker' (den Begriff hat sein Freund Huxley geprägt), aber diese Autobiographie wurde, auf seinen Wunsch hin, nach seinem Tod vom Familienrat überarbeitet, daher ist sie als Quelle nicht unbedingt zuverlässig.

"Schlagzeilen wie "Darwin gegen Gott" sind daher historisch falsch, wissenschaftlich und zwischenmenschlich schädlich und inhaltlich ausgesprochen dumm" Das sehe ich nicht so. Wenn man Darwinismus oder gar die moderneren Auffassungen von Evolution ernst nimmt, passt ein Gott einfach nicht ins Bild, vor allem, wenn man dem Eigenschaften des Christengottes wie 'allwissend, allmächtig und allgütig' zuschreiben möchte. Ein Gott, der durch Evolution schafft, scheitert kläglich am Theodizee-Problem.

"Und es liegt an jedem von uns, beiden Extremen entgegen zu treten" scheint mir nicht mehr als ein 'non sequitur'zu sein. Ist es nicht eher an der Zeit, dafür zu werben, dass man 'oben ohne' am besten durchs Leben kommt? Was spricht dagegen, als epistemischer Agnostiker sein Leben als Atheist zu führen? Ist ein Gott (welcher überhaupt?) wirklich ein notwendiges Sahnehäubchen, der das Leben gelingend macht?